Adhäsive Befestigung, Zirkonoxid

Adhäsive Befestigung von Restaurationen aus Zirkonoxid: So geht’s!

Kategorie: Vollkeramik
Was gilt es bei der adhäsiven Befestigung von Restaurationen aus Zirkonoxid zu beachten und wie sind Zahn sowie Restauration vorzubereiten? Dieser Artikel geht auf werkstoffkundliche sowie klinische Grundlagen ein.

Zirkonoxid und warum die adhäsive Befestigung?

Die adhäsive Befestigung von Restaurationen aus Zirkonoxid gehört bei einer Vielzahl von Situationen zum Erfolgskriterium. Insbesondere bei modernen Zirkonoxiden mit hoher Transluzenz (z. B. Zirlux Anterior Multi) ist die Arbeit mit einem zahnfarbenen adhäsiven Befestigungskomposit dem opaken Zement zu bevorzugen. Auch aus Sicht der Haftwirkung ist – unter idealen Voraussetzungen (z. B. adäquate Trockenlegung, abgestimmtes Adhäsivsystem und Befestigungskomposit) – das adhäsive Befestigen dem Zementieren zu bevorzugen. 

Vergleich von Zementierung und adhäsiver Befestigung von Restaurationen
Zementierung

Zementieren erfolgt mit Zinkphosphat- oder Glasionomerzement und basiert auf einer mechanischen Verankerung. Es entsteht ein formschlüssiger Verbund zwischen Restauration und Zahn. Daher spielen Passgenauigkeit, Konvergenzwinkel und Stumpfhöhe eine entscheidende Rolle. Achtung: Bei „dicken“ Zementfugen besteht im zervikalen Bereich eine erhöhte Gefahr des Auswaschens. 

Vorteile: anwenderfreundlich, feuchtigkeitstolerant 

Nachteile: eingeschränkte Ästhetik aufgrund opaker Zemente 

Adhäsive Befestigung

Die adhäsive Befestigung erfolgt mit Befestigungskomposit, welches polymerisiert und eine chemisch/physikalische Verbindung zwischen Restauration und Zahnhartsubstanz auslöst. Es wird ein kraftschlüssiger Verbund erzeugt. Die Oberflächenbeschaffenheit der Restauration und die Präparationsgeometrie spielen eine untergeordnete Rolle.  

Vorteile: hohe Gesamtstabilität, keine mechanischen Retentionen (minimalinvasiv), sehr gute mechanische Eigenschaften, hohe Ästhetik  

Nachteile: techniksensibel, adäquate Trockenlegung nötig

Voraussetzungen für die adhäsive Befestigung

Ob eine Restauration adhäsiv verklebt oder zementiert werden soll, orientiert sich an wenigen Faktoren: 

  • Restaurationsmaterial (Festigkeit),
  • Möglichkeit der Trockenlegung und
  • Präparationsgeometrie (Stumpfhöhe, Konvergenzwinkel).

Zirkonoxid und der adhäsive Haftverbund

Ob Krone, Brücke oder Veneer – Restaurationen aus Zirkonoxid sollten nach Möglichkeit adhäsiv im Mund befestigt werden. Grundsätzlich obliegt der klinische Erfolg der Adhäsivtechnik dem kraftschlüssigen und dauerhaften Verbund der Restauration an der Zahnhartsubstanz.

Allerdings ist die adhäsive Befestigung gegenüber dem traditionellen Zementieren techniksensibler. Mit einem entsprechenden Befestigungsprotokoll jedoch ist in den meisten Fällen ein effizientes Vorgehen möglich. Maßgeblich für den Haftverbund sind das korrekte Handling der Materialien, sowie die adäquate Vorbehandlung von Zahn und Restauration. 

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Tipp für die Produktwahl bei der Befestigung: Innerhalb eines Befestigungsprotokolls immer mit den Materialien EINES Herstellers arbeiten und nur chemisch aufeinander abgestimmte Produkte kombinieren. Eine fehlerhafte Mischung kann die Verbundfestigkeit beeinflussen. 

Folgende Faktoren sind für den Erfolg der adhäsiven Befestigung zu betrachten: 

  • Vorbehandlung der Restaurationsoberfläche, 
  • Ätzung / Konditionierung der Zahnoberfläche,  
  • Anwendung eines Adhäsivsystems,
  • Auswahl des entsprechenden Befestigungskomposits. 

Vorbehandlung der Restauration für die adhäsive Befestigung (Zirkonoxid)

Zirkonoxid hat eine schlechte Benetzbarkeit. Daher sollte die Oberfläche nicht nur gereinigt, sondern auch modifiziert werden. Dies erfolgt durch Silikatisieren oder sanftes Korundstrahlen (≤ 50 µm, 1 bar). Auch eine Plasmavorbehandlung kann die Oberflächenspannung positiv beeinflussen. Vor dem finalen Eingliedern ist die Oberfläche gründlich zu reinigen, z. B. mit entsprechenden Reinigungslösungen. 

Vorbehandlung des Zahnes für die adhäsive Befestigung

Die adhäsive Befestigung verlangt nach einer Vorbehandlung der Zahnoberfläche durch

  • Ätzung von Kollagengeflecht (hydrophiler Aufbau Dentin) und Schmelz
  • Applikation des Adhäsivs
  • Ätzung

Bei der Auswahl der geeigneten Ätzstrategie sind folgende Techniken zu unterscheiden:

  • Etch-and-Rinse (Ätzung der gesamten Präparationsoberfläche, Schmelz und Dentin),
  • Selective-Etching (Schmelzätzung),
  • Self-Etching (Ätzen erfolgt direkt mit entsprechendem Adhäsivsystem).

Ziel der Ätzung des Zahnes ist eine Oberflächenvergrößerung. Zudem soll auf die Schmierschicht eingewirkt werden. „Etch-and-Rinse“-Systeme entfernen die Schmierschicht durch Phosphorsäure komplett. „Self-Etch“-Systeme besitzen saure Monomere, welche die Schmierschicht durchlässig machen bzw. in die Hybridschicht integrieren.

Hinweis: Die Restauration aus Zirkonoxid sollte nicht mit Phosphorsäure in Berührung kommen. Die Phosphormoleküle blockieren die Bindungsstellen, die für die chemische Haftung mit dem Befestigungskomposit nötig sind.

Applikation von Adhäsiv

Dem Ätzen folgt die Applikation eines hydrophoben Bondings (Dentinadhäsiv). Zwar kann bei selbstadhäsiven Befestigungsmaterialien auf eine Dentinvorbehandlung verzichtet werden, doch erhöht eine selektive Schmelzätzung die Haftung.  

Adhäsivsysteme können eingeteilt werden in Ein-Schritt-, Zwei-Schritt- oder Drei-Schritt-Systeme. Ein Ein-Schritt-System umfasst alle Monomere in einem Produkt; Primer und Bonder sind zusammengefasst, was die Anwendung erleichtert. Universaladhäsive binden hierbei oft nicht nur an der Zahnhartsubstanz, sondern chemisch an fast allen Werkstoffen. Das erleichtert das klinische Vorgehen. Allerdings kann die Verbundfestigkeit geringer sein als bei der Anwendung eines konventionellen Drei-Schritt-Systems. 

Befestigungskomposite für die adhäsive Eingliederung

Komposite für die adhäsive Befestigung gibt es unzählige. Sie unterscheiden sich u. a. anhand ihres Initiatorsystems und werden indikationsabhängig ausgewählt. Die Aushärtung erfolgt mittels Polymerisation entweder  

  • rein lichthärtend,  
  • dualhärtend (licht- und chemisch härtend) oder 
  • rein chemisch härtend. 

Selbstadhäsive Befestigungskompositen sind einfacher in der Anwendung. Konditionierungsschritte an Zahnhartsubstanz und Restaurationsmaterial entfallen, da die Befestigungskomposite phosphorsäurehaltige Monomere (z. B. MDP) enthalten. Dies macht sie vor allem für Restaurationen aus Zirkonoxid interessant. 

Hinweis: Bei einer konventionellen adhäsiven Befestigung ist die optimale Trockenlegung entscheidend, wohingegen bei einer selbstadhäsiven Befestigung ein Kofferdam nicht zwingend notwendig ist.   

FAQ zur adhäsiven Befestigung von Restaurationen aus Zirkonoxid und anderen Vollkeramiken

vom 19.05.2022
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