Fertigungstechnologie im Dentallabor

CAD/CAM-Eigenfertigung oder Fremdfertigung im Dentallabor

Lesezeit: 8:12 min | Kategorie: Digitales Labor
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Wann lohnt sich für Dentallabor oder Praxislabor die Eigenfertigung und wann ist eine Fremdfertigung – das Outsourcing – sinnvoll? Für eine strategische Ausrichtung Ihres Labors sollten Sie wissen, worauf es aus wirtschaftlicher und qualitativer Sicht ankommt.

Die Arbeit im Dentallabor wird sich grundlegend ändern; so der Tenor vieler Vorträge, Artikel und Marketingbroschüren. Dieser grundlegende Wandel wird seit Jahren prognostiziert.

Und? Wir stecken mittendrin; es fühlt sich gut an. Längst sind viele einst manuelle Arbeitsprozesse digitalisiert. Fast schon schleichend hat sich die Digitalisierung in so gut wie jedem Dentallabor etabliert. Und während viele Dentallabore in eigene Hardware investieren, setzen andere auf das Outsourcing.

Egal ob Praxislabor oder gewerbliches Dentallabor – Zahntechnik: Make oder buy, Eigen- oder Fremdfertigung? Die EINE richtige Antwort gibt es nicht. Vielmehr ist es eine individuelle Entscheidung, die u. a. nach den Kriterien Kosten, Qualität, Zeit, Ressourcenverfügbarkeit und Risiken (z. B. Unabhängigkeit von Lieferanten) gefällt werden muss. 

CAD/CAM im Dentallabor

„So schön, wie es früher war, ist es früher nie gewesen.“ Die Vorteile der CAD/CAM-Fertigung im Dentallabor haben mittlerweile selbst größte Kritiker überzeugt. Schleifen, fräsen, drucken; Dentallabore nutzen digitale Fertigungstechnologien, ohne auf Bewährtes zu verzichten.

Der digitale Workflow zwischen Praxis und Labor sorgt für Effizienz, Tempo und großartige Ergebnisse. Und, mit CAD/CAM eröffnet sich eine große Vielfalt an modernen Werkstoffen. Doch wie kann der Einstieg in die digitale Fertigung erfolgen? Investieren, outsourcen oder beides?

Digitales Dentallabor – wo stehen wir heute?

Freiheit! Dentallabore können frei entscheiden, welche Prozesse inhouse realisiert (Eigenfertigung) und welche vielleicht zu einem spezialisierten Partner (Fremdfertigung) delegiert werden sollen. So unterschiedlich wie die Fertigungstechnologien, so verschieden auch die Möglichkeiten:

  • CAD/CAM-Schleifen oder -Fräsen mit der eigenen CAD/CAM-Einheit (z. B. vhf Fräsmaschinen, inLab von Sirona)
  • Bohrschablonen, Schienen oder Modelle im Dentallabor drucken (z. B. Form 3B von Formlabs, Sprintray Pro 95/55)
  • Provisorische Kronen im Praxislabor drucken (z. B. Form 3B+, Sprintray Pro 55)
  • Modelle extern fräsen oder drucken lassen (z. B. Dreve, Print@Dreve)
  • Implantat-Suprastrukturen im spezialisierten Fräszentrum fräsen lassen (z. B. Dedicam von Camlog)
  • Zirkonoxid-Gerüste (z. B. Zirlux, KATANA Zirconia, Kuraray Noritake) für die Verblendung im Dentallabor fertigen lassen
  • Monolithische Zirkonoxid- bzw. Vollkeramik-Restaurationen in der Fremdfertigung erstellen lassen
  • KFO- bzw. Aligner-Therapie gemeinsam mit externen Partnern realisieren (CA Digital REVEAL)

Letztlich obliegt die Wahl der Fertigungstechnologie vielen Kriterien, z. B. Voraussetzungen im Dentallabor, Werkstoffwahl, Anwendungsbereich, Kosten, Zeit, Qualität, Ressourcen/ Kapazitäten.

Dental- und Praxislabor: „Make or buy“ – welcher Labortyp sind Sie?

Grundsätzlich gibt es auf die Frage „Make or buy?“ keine allgemeingültige Antwort. Jedes Dentallabor muss entsprechend einer Bedarfsanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnungen individuell handeln.

Information und Wissen sind die Basis für eine klug gewählte Ausrichtung. Hierfür stehen z. B. bei Henry Schein geschulte Berater zur Verfügung. Sie geben neutral und objektiv Auskunft und Rechenbeispiele. Eigenfertigung oder Fremdfertigung: Viele Dentallabore nutzen beide Wege – je nach Material, Indikation und Kapazität.

„Die Wertschöpfung soll in meinem Dentallabor bleiben“ klingt gut und überzeugend, ist aber nicht immer einfach umzusetzen. Es gilt zu bedenken, dass Gewinn immer Wertschöpfung abzüglich aller Kosten ist.

Bei der Entscheidung für die Eigenfertigung bedarf es einer fundierten Kalkulation. Hierbei sind diverse Faktoren einzubeziehen, z. B. die internen Produktionskosten.

Faktor Kosten

  • Investition Maschine (Liquidität sinkt) 
  • Abschreibung 
  • Strom, Wasser und andere Nebenkosten 
  • Zusatzinvestitionen (Kompressor, Absaugung) 
  • Fräswerkzeuge, Spindel, Spanzange und andere Anschaffungen 
  • Wartungs- und Stillstandszeiten 
  • Lagerkosten Material 
  • Rüstzeiten bei Materialwechsel 
  • Verschleiß, Reparatur 
  • Kosten für Updates/Upgrades 
  • Techniker-Stundenkosten/Arbeitszeit/Schulungen 

Finanzierung und Maschinenauslastung müssen also gut geplant sein. Viele Labore profitieren von der eigenen CAD/CAM-Maschine.

Lesen Sie mehr zur effizienten Investitionsplanung im Dentallabor in unserem Artikel „Investitionen im Dentallabor (CAD/CAM). Was gilt es zu beachten?.

Faktor Zeit

Das Dental- bzw. Praxislabor muss entscheiden, ob die Eigen- oder die Fremdfertigung am besten in den Terminplan passt. Dies ist oftmals fallspezifisch.

Die Eigenfertigung kann unter Umständen schneller zum Ziel führen, z. B. wenn bei der Fremdfertigung lange Lieferzeiten oder Transportzeiten eingeplant werden müssen.

Faktor Qualität

Besser oder schlechter – um den Faktor „Qualität“ zu beurteilen, ist ein individueller Anforderungskatalog sinnvoll.

Die Restauration aus der Fremdfertigung muss mindestens die qualitativen Ansprüche des eigens gefertigten Produktes (z. B. Vollkeramikkrone) erfüllen. Ebenso sollte das eigengefertigte Produkt die entsprechend notwendige Präzision (z. B. eine Bohrschablone) wie bei der Fremdfertigung (spezialisierter Anbieter) erfüllen. Erneut ist fallspezifisch zu entscheiden.

Faktor Ressourcen/Kapazität

Dieser Faktor ist leicht zu bewerten. Eigenfertigung in Dentallabor oder Praxislabor kann nur erfolgen, wenn die dafür benötigten Ressourcen (Personal, Material, Maschinen) und das erforderliche Fachwissen im Haus verfügbar sind.

Das Dentallabor und die Fremdfertigung

Die Fremdfertigung (externer Dienstleister) wird oftmals kleinen Dentallaboren sowie Praxislaboren empfohlen. Auch bei sehr speziellen Fertigungen (z. B. Doppelkronen oder Implantatstrukturen) kann die Fremdfertigung der bevorzugte Weg sein. Bei den externen Dienstleistern ist zu unterteilen zwischen Dentallaboren (z. B. Fräszentrum) und industriellen Anbietern. Und auch bei der Fremdfertigung gilt es, unterschiedliche Faktoren zu beachten:

  • Stückpreis
  • Ggf. Lizenzgebühren
  • Gebühr je Produktionsgang (Dongle)
  • Versandgebühr
  • Produktionszeiten (zwischen Datenversand und Erhalt der Restauration)
  • Produktionstechnik
  • Materialauswahl
  • Datensicherheit
  • Qualität
  • Zuverlässigkeit und Kommunikation
  • Flexibilität und Umgang mit individuellen Wünschen

Eigenfertigung: Flexibilität durch offene Daten im Dentallabor

Prinzipiell sind Freiheit, Flexibilität und Schnelligkeit am besten durch offen konzipierte Geräte gegeben. So profitieren z. B. Dentallabore unter der Henry-Schein-Dachmarke ConnectDental von einem intelligenten Prozess- und Datenmanagement. ConnectDental bündelt Angebote zur digitalen Vernetzung von Zahnarztpraxis und Dentallabor sowie die Integration von offenen CAD/CAM-Systemen und Hightech-Materialien.

Unterschiedliche Systemkomponenten werden zu einer offenen Lösung verbunden und ermöglichen einen effizienten Workflow – von der 3D-Diagnostik und der digitalen intraoralen Datenerfassung über die Implantatplanung, die Modellherstellung mittels 3D-Drucker bis hin zu Design und Fertigung der Restauration per Schleif- und Fräsmaschinen. Angeboten wird ein lückenloses Portfolio aus Materialien, Geräten und Systemen mit verschiedenen Kapazitäten und individuellen Konzepten. Zudem kann auf die Infrastruktur für Service und Support zurückgegriffen werden. Dies erleichtert ggf. die Entscheidung für die Investition in eigene Hardware und somit für die Eigenfertigung.

Offene Schnittstellen als Vorteil für das Dentallabor

ConnectDental ist eine offene Komplettlösung und setzt sich aus vielen Einzelbereichen zusammen. Die Unabhängigkeit, mit der unterschiedliche Technologien kombiniert werden, ist die besondere Stärke. In der offenen Architektur können die intraoralen Daten (Intraoralscanner, Laborscanner) einfach in den zahntechnischen Arbeitsablauf integriert werden. Dabei ist es wichtig, auf Datenformate und Exportfähigkeit zu achten – entscheidend ist die Kompatibilität. Egal, ob die digitale Datenerfassung mit dem Intraoralscanner oder im Labor (Modellscan) erfolgt, das Dentallabor kann die Restauration mit bevorzugter Fertigungsart im eigenen Haus oder bei einem externen Dienstleister fertigen lassen.

Annett Kieschnick, Freie Fachjournalistin

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vom 03.04.2022
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