Trends in der Endodontie mit Potential zum Goldstandard

Kategorie: Endodontie
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Viele aktuelle Trends der Wurzelkanalbehandlung haben das Potenzial, zum Goldstandard zu werden, so Dr. Ralf Schlichting. Der Spezialist für Endodontie und Traumatologie (DGET) arbeitet aktiv mit Wissenschaftlern an der Entwicklung neuer Verfahren und Instrumente zusammen. Zudem hält Dr. Schlichting weltweit Vorträge und Fortbildungen rund um das Thema Wurzelbehandlung.

In seiner endodontologischen Überweiser-Praxis in Passau arbeitet Dr. Ralf Schlichting mit hochmodernen Verfahren auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Seine Fachkenntnis im Bereich der Endodontologie lässt er in Forschungs- und Entwicklungsprojekte einfließen und ist immer wieder Vorreiter bei der Einführung aktueller wissenschaftlich fundierter Produkte. Im nachfolgenden Bericht bewertet er aktuelle Trends der modernen Wurzelbehandlung, die er selbst in seiner Praxis nutzt.

Laseraktiviertes Spülen – maximale Keimreduktion

Mit als erste Praxis überhaupt entschied er sich für die laseraktivierte Spülmethode mittels PIPS- oder SWEEPS-Technologie. Seit der Einführung hat sich diese Art der unterstützenden Wurzelkanal-Spülung in seiner Praxis etabliert.

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Wir verwenden überwiegend die laseraktivierte Spülung. Sehr viele Studien besagen, dass die Eindringtiefe von Natriumhypochlorit deutlich größer ist in Anwesenheit des Lasers als bei Aktivierung der Spüllösung durch Schall oder Ultraschall. Auch zeigen Studien, dass mithilfe des Lasers die Wurzelkanäle viel besser von Mikroorganismen befreit werden können.

Für den Endo-Spezialisten ist der dentale Laser eine feste Größe geworden, die er nicht mehr missen möchte. Jedoch versteht er Kollegen, die diese Methode nicht verwenden wollen, da der Anschaffungspreis hierfür deutlich höher ist als beispielsweise für ein Ultraschallgerät. Grundsätzlich sei jede Art der Aktivierung von Spüllösung im Wurzelkanalsystem positiv zu bewerten, betont Dr. Schlichting.

Wurzelkanal-Spülung per NaOCl und HEDP – die Kombination macht's

Für Dr. Schlichting hat die kombinierte Spülung NaOCl und HEDP gute Chancen, sich auf dem Markt zu etablieren und folglich zweizeitige Vorgehen mittels NaOCl und EDTA zu ersetzen.  

Klinisch bedingt diese Substanz aber auch gewisse Anforderungen. Da sie bei jedem Patienten immer frisch zu NaOCl beigemengt werden muss, ist die Mischung nicht lange stabil. Auf Vorrat ist diese Spüllösung in Spritzen folglich nicht zu lagern. Auch sind HEDP-Kapseln deutlich kostenintensiver als EDTA.

Dr. Schlichting denkt dennoch, dass sich HEDP aufgrund seiner positiven Aspekte langfristig etablieren wird. Er hat bereits vor längerer Zeit sein Spülprotokoll dahingehend verändert. 

Thermisch behandelte NiTi-Feilen – die Zukunft der mechanischen Wurzelkanalaufbereitung

Vor allem bei einem Produkt ist Dr. Schlichting überzeugt, dass es zum Goldstandard wird: thermisch behandelte NiTi-Feilen. Er beschreibt diese als Quantensprung in der mechanischen Aufbereitung. Die Wärmebehandlung im Laufe des Produktionsprozesses führt zu einer höheren Flexibilität und einem deutlich verringerten Frakturrisiko. Diese komplexe Strukturveränderung ermöglicht somit ein höheres Maß an Behandlungssicherheit im Vergleich zu früheren Generationen von NiTi-Feilen. 

Aufgrund der erhöhten Flexibilität thermisch behandelter NiTi-Feilen kann die ursprüngliche Kanalform besser erhalten werden. Damit sind weniger invasive Aufbereitungsgeometrien möglich. „Weniger invasiv bedeutet nicht minimalinvasiv. Aus biologischer Sicht brauchen wir, um eine effektive mechanische Reinigung, aber auch Spülung gewährleisten zu können, eine gewisse minimale Aufbereitungsgröße“, unterstreicht Dr. Schlichting. Die möglichst wenig invasive mechanische Aufbereitung in Verbindung mit der Aktivierung von Spüllösungen ist essenziell für die langfristige positive Prognose des eigenen Zahnes. 

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Durch die Mischung von HEDP mit NaOCl kommt es nicht zur Entstehung einer Schmierschicht bei der Aufbereitung. NaOCl kann somit effektiver im Kanal wirken. Außerdem wird durch die Verwendung einer einzigen Spüllösung das Spülprotokoll vereinfacht. Studien deuten darauf hin, dass mittels HEDP eine bessere Desinfektion des Kanalsystems erzielt werden kann als mit dem momentanen Goldstandard NaOCl und EDTA. Und das wichtigste Ziel ist es, so viele Mikroorganismen wie möglich zu entfernen.

Kalziumsilikatbasierte Sealer – bioaktiv und einfach in der Anwendung

Sehr spannend und ebenso zukunftsweisend findet der Endo-Spezialist eine neue Sealer-Gruppe auf Kalziumsilikatbasis. Diese biokeramischen Sealer wirken langfristig antimikrobiell und sind sehr volumenstabil, sodass sie den Wurzelkanal sehr gut abdichten.

Außerdem wirken sie bei Gewebekontakt bioaktiv und können somit zur Gewebeheilung anregen. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften werden wir in Zukunft vielleicht ein rein kalziumsilikatbasiertes Wurzelfüllmaterial ohne Guttapercha verwenden können, so Dr. Schlichtings langfristige Einschätzung.

Da es sich bei dieser Substanzklasse um eine relativ neue Entwicklung handelt, fehlen noch Langzeitstudien, die beispielsweise über ihre langfristige Dimensionsstabilität eine fundierte Auskunft geben könnten.

Die oftmals kritisierte minimale Löslichkeit des Sealers sieht Dr. Schlichting als positive Eigenschaft. „Nur durch diese minimale Löslichkeit können die bioaktiven Substanzen freigesetzt werden und zur Heilung anregen.“

Starke Diagnostikhilfe für den Wurzelkanal – das DVT

Mithilfe des DVT lassen sich die komplexen Zahnstrukturen in allen drei Dimensionen darstellen. Um komplexe Fragestellungen vorab besser einschätzen zu können, kann deshalb die Anfertigung eines DVT sehr sinnvoll sein. So lassen sich beispielsweise im zweidimensionalen Röntgenbild nicht erkennbare Wurzelkanalkrümmungen, im dreidimensionalen DVT gut darstellen. Auch erleichtert das DVT die Entscheidung, ob in Grenzfällen eine endodontische Behandlung überhaupt sinnvoll ist.

Dennoch sieht Dr. Schlichting den Einsatz des DVT immer noch zurückhaltend. Er setze das DVT nur dann ein, wenn die Art oder Komplexität der Therapie nicht eindeutig ist, unterstreicht Dr. Schlichting. Die digitale Diagnostik helfe ihm, über die Schwierigkeit des Falles im Vorfeld Bescheid zu wissen und dementsprechend den Patienten darüber aufzuklären.

Für unsichere, teils skeptische Patienten kann das DVT ebenso nützlich sein, da ihnen hierbei konkret bildhaft die aktuelle Situation gezeigt und erklärt werden kann.

Optische Vergrößerung ist essenziell für moderne Endodontie

Das Dentalmikroskop ist essenzieller Bestandteil in Dr. Schlichtings Praxis. Er behandelt ausschließlich mithilfe der Vergrößerung durch das Dentalmikroskop. 

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Je mehr ich sehe, desto einfacher wird das Arbeiten. Grundsätzlich wirkt sich jede Art von Vergrößerung positiv auf die endodontische Therapie aus. Das Dentalmikroskop bietet bei der Wurzelkanalbehandlung Vorteile hinsichtlich Vergrößerung und Sicht, die mit einer Lupenbrille nicht erreicht werden können.

Aufgrund des immensen zeitlichen und technischen Aufwandes handelt es sich bei seinen Behandlungen um reine Privatleistungen. Jedoch würden immer mehr Patienten ihre eigenen Zähne behalten wollen und seien bereit, diese sowohl zeitlich als auch finanziell aufwendige Behandlung mitzumachen.

Fotos: Christian O. Bruch

 

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vom 07.06.2022
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