Praxisplanerin Anja Borrosch von Henry Schein Dental

Wie Praxisplanung echten Freiraum schafft

Kategorie: Praxiserweiterung
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Dentalfachplanerin Anja Borrosch erzählt, wie es Zahnärzten bei einer Praxisexpansion gelingt, ein zukunftsfähiges und effizientes Raumkonzept zu entwickeln.

Frau Borrosch, was macht eine Zahnarztpraxis effizient, Größe oder Struktur?

Struktur und gutes Management. Kleinere Praxen, die sehr gut strukturiert sind, können auch eine große Zahl an Patienten oft besser koordinieren als große Praxen mit chaotischen Abläufen. Viele Praxen verlieren täglich Zeit durch lange Wege, unklare Abläufe oder schlecht platzierte Funktionsbereiche.

Doch in kleinen Praxisräumen kann es irgendwann zu eng werden. Wie gelingt die Abwägung zwischen Umgestaltung und Umzug?

Fachplaner helfen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis für einen Umbau in der Bestandspraxis sowie für einen Umzug durchzuspielen. Oft zeigt sich erst bei einer strukturierten Analyse, wie viel Potenzial im bestehenden Grundriss steckt – oder wo die Grenzen erreicht sind. Ein Umzug mag sinnvoll sein, um Kapazitäten zu erweitern, aber auch wenn ein Zahnarzt mit dem Zustand seiner Praxis gar nicht mehr zufrieden ist. Zu Beginn der Planung bitte ich Zahnärzte, sich gedanklich in ihren Arbeitsablauf zu versetzen und zu beschreiben, was sie jeden Tag stört.

Zahnärzte sollten sich fragen, wie sie in fünf Jahren leben und arbeiten möchten und ob ihre Praxis das heute überhaupt ermöglicht.

– Anja Borrosch
Dentlfachplanerin bei Henry Schein Dental

Also gibt es neben räumlichen Limits und wirtschaftlicher Strategie den persönlichen Schmerzpunkt?

Ja. Auch das Alter des Praxisinhabers und seine Zukunftsplanung spielen eine Rolle: Will ich noch viel Geld in die Praxis stecken? Oder investiere ich gezielt, um die Praxis später besser verkaufen zu können? Zahnärzte sollten sich fragen, wie sie in fünf Jahren leben und arbeiten möchten und ob ihre Praxis das heute überhaupt ermöglicht.

Woran zeigt sich, dass ein Praxisumbau nicht genügt?

Spätestens dann, wenn es gar keinen nutzbaren Raum mehr gibt. Es kommt vor, dass Zahnärzte ihr Büro für ein weiteres Behandlungszimmer opfern. Als Nächstes verkleinern sie das Wartezimmer oder den Empfangsbereich. An die Grenze des Machbaren stoßen sie beim Aufbereitungsraum.

Warum gerade dort?

In alten Praxen gab es für die Aufbereitung oft nur einen winzigen Raum mit Waschbecken. Heute muss der Steri strengere Hygienerichtlinien erfüllen und gleichzeitig so dimensioniert sein, dass mehrere ZFAs parallel arbeiten können. Mit jedem zusätzlichen Behandlungszimmer steigt das Instrumentenaufkommen – und damit die Anforderungen an Raum und Prozesse.

Ist Ihre Zahnarztpraxis barrierefrei?

Eine Schwachstelle vieler alter, gewachsener Praxen ist, dass sie nicht barrierefrei sind. Oft fehlt ein rollstuhlgerechter Zugang für Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen. Ab einer gewissen Praxisgröße ist außerdem ein behindertengerechtes WC vorgeschrieben, für das eine Mindestgröße gilt. Dafür ist in oft kein Platz vorhanden.

Wie kann Praxisplanung zu effizienten Abläufen beitragen?

Indem wir Laufwege kurz halten und den Raumzuschnitt an den Arbeitsabläufen ausrichten. Zum Beispiel ist es sinnvoll, den Aufbereitungsraum dicht bei den Behandlungszimmern zu planen, damit Instrumente schnell verfügbar sind und die Zahnarzthelferinnen mit dem Sterilgut keine weiten Wege zurücklegen müssen. Gleichzeitig sollte der Aufbereitungsraum möglichst nicht an die Rezeption oder das Wartezimmer angrenzen, damit niemand versehentlich hineinläuft.

Auf Baustellen passiert immer etwas Unvorhersehbares. Hier hilft Gelassenheit: Es wird Nerven kosten. Aber es wird sich lohnen.

– Anja Borrosch
Dentalfachplanerin bei Henry Schein Digital

Was unterschätzen viele Praxisinhaber bei Umbau oder Umzug?

Auf Baustellen passiert immer etwas Unvorhersehbares, das sich auf Zeitplan und Kosten auswirken kann – nicht nur bei Neubauten. Bei Umbauten im Bestand zeigt sich oft erst während der Bauphase, was sich hinter Böden und Wänden versteckt. Hier helfen Gelassenheit und professionelle Planung. Architekten und Fachplaner kalkulieren einen zeitlichen und finanziellen Puffer ein.

Auf jeden Fall ist es eine große Investition. Wie lässt sich eine Praxiserweiterung mit Weitsicht planen?

Es gibt Lösungen für eine flexible Praxisexpansion. Zum Beispiel, indem wir sechs oder sieben Behandlungszimmer mit allen Installationen planen, aber zunächst nur vier einrichten. Die anderen kann die Praxis als Büro oder Lager nutzen, bis die nächste Erweiterung ansteht. So lassen sich Ausstattungskosten nachlagern.

Sollten Zahnärzte mit Umzugsabsicht also gleich zwei Nummern größer planen?

Eine professionelle Standortanalyse hilft, eine gute und fundierte Entscheidung zu treffen. Für Zahnärzte, denen eine 150-Quadratmeter-Praxis zu klein geworden ist, kann es sinnvoll sein, sich nicht mit 200 Quadratmetern zu begnügen, sondern gleich nach größeren Objekten zu suchen. Aus Planersicht ist die Fläche nicht alles, denn womöglich hat eine Immobilie nicht genug Fenster oder einen ungünstigen Zuschnitt. Auch die technische Infrastruktur muss stimmen.

Erfolgreiche Umbauplanung
Egal ob Praxisexpansion mit einem Zweitstandort, einem neuen Standort oder im aktuellen Gebäude: Wichtig ist ein gut geplanter Prozess der Umbauarbeiten. Tipps und Infos von erfahrenen Praxisplanern bietet unsere umfassende Checkliste.
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Worauf kommt es bei der technischen Praxisplanung an?

Die Technik ist das Herz der Zahnarztpraxis. Wenn die nicht läuft, steht alles still. Entscheidend ist, dass die Absaugung und die Kompressorleistung ausreichen, damit alle Behandlungsstühle eine gleichbleibende Versorgung haben. Wichtig ist es, die Technik sowie den Strombedarf für die zukünftigen Anforderungen auszulegen.

Die Digitalisierung in der Zahnarztpraxis stellt sicher zusätzliche Anforderungen?

Voraussetzung ist eine stabile Internetverbindung. Dazu braucht man einen Netzanschluss, Datenleitungen und vor allem ausreichendes Datenvolumen. Hinter abgehängten Decken lassen sich WLAN-Verstärker anbringen. Zusätzlich sollten genug Anschlüsse für LAN-Kabel vorgesehen werden, falls doch einmal die Funkverbindung abbricht. Sehr wichtig ist die Klimatisierung im Technikraum, damit der Server nicht überhitzt und ausfällt.

Legen Sie die Planungsbrille ab, wenn Sie als Patientin zum Zahnarzt gehen?

Nein, das ist wohl eine Berufskrankheit – ich achte auf Architektur und Beleuchtung, bemerke ungünstig verlegte Installationen, bin neugierig, wie der Aufbereitungsraum konzipiert ist, und schaue, auf was für einem Stuhl ich sitze.

Zur Person

Anja Borrosch ist ausgebildete Bauzeichnerin. Seit 2020 arbeitet sie als Praxisplanerin bei Henry Schein Dental Hand in Hand mit Zahnärzten, Architekten und Handwerkern.

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vom 15.09.2026
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