
Erfahrungsbericht: Praxisexpansion durch Zweitstandort
„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt“ – das alte Sprichwort passt im besten Sinne zu der Praxisexpansion des „Zahnzentrums b06 Fehrmann und Kollegen“ in der Gemeinde Heuchelheim bei Gießen. Mitte August 2025, also vor gut einem halben Jahr, hat die Inhaberin Dr. Frederike Fehrmann mit ihrem Team relativ kurzfristig einen zweiten Standort im benachbarten Launsbach eröffnet – der ursprünglich gar nicht geplant war.
Denn um der wachsenden Patientenzahl Herr zu werden, war lediglich ein Anbau am Hauptstandort angedacht; die Planung lief bereits seit Längerem. Doch Tatsache ist: Das Zahnzentrum hat innerhalb kürzester Zeit einen Ableger bekommen – und der läuft sehr gut. Wie ist der Zahnärztin das gelungen?
Zahnzentrum erst vor gut fünf Jahren eröffnet
Kurz zur Vorgeschichte: Angefangen hat Dr. Fehrmann ihre berufliche Laufbahn vor knapp 25 Jahren. Damals übernahm sie eine Drei-Zimmer-Praxis in Heuchelheim. Als diese im Laufe der Jahre zu klein wurde, bauten sie und ihr Mann Alexander Fehrmann, Digitalexperte in der Praxis, vor einigen Jahren wenige hundert Meter Luftlinie entfernt ein neues, großes Zahnzentrum: fünf Behandlungszimmer, ein eigenes Praxislabor, ein ebenerdiger Zugang und ein großer Parkplatz vor der Tür. Aber auch diese großzügige Praxis wurde bereits nach einem halben Jahr zu klein. „Wir hatten damals rund 330 Neupatienten pro Quartal“, erzählt Dr. Fehrmann. „Das war Wahnsinn!“
Zuerst drehten sie an der Logistik: Mit versetzten Arbeitszeiten versuchte das Team, in den bestehenden Räumen mehr Patienten zu versorgen. Aber schließlich ging es nicht mehr anders: Die Fehrmanns planten eine Expansion, nämlich einen Anbau auf dem Grundstück in Heuchelheim.
Plötzlich ein Anruf vom Makler
Der Anbau soll in Zukunft auch noch kommen. Aktuell steht allerdings der Zweitstandort im Fokus: Auslöser für das neue Projekt war ein Anruf. Ein Immobilienmakler bot ihnen die besagte Zwei-Zimmer-Praxis im etwa 15 Autominuten von der Heuchelheimer Praxis entfernten Launsbach zum Kauf an. Dr. Norbert Kling, der als Zahnarzt in dem Ortsteil der Gemeinde Wettenberg rund 44 Jahre lang ansässig gewesen war, fand keinen Nachfolger. Erst sagten die Fehrmanns „Nein“. Sie planten ja einen Anbau.
„Doch dann wurden wir neugierig“, beschreibt Dr. Fehrmann den Sinneswandel. „Wir sagten uns: Wenn wir uns die Praxis jetzt gleich anschauen können, dann fahren wir hin.“ Und das klappte. „Die Praxis war renovierungsbedürftig und die Ausstattung nicht mehr zeitgemäß“, berichtet die Zahnärztin. „Wir fuhren die Wege ab und dachten nach. Das Personal hatte sich bereits umorientiert, und die Patienten hatten ihr Bonusheft ausgehändigt bekommen, um sich einen neuen Zahnarzt zu suchen. Denn auch nach eineinhalbjähriger Suche hatte der Inhaber keinen Nachfolger gefunden.“ Die Praxis werde wohl wegrationalisiert, hieß es zudem von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen (KZVH), die die Übernahme genehmigen musste. Es gebe wenig Chancen, dass der Sitz erhalten bleibe, hieß es von der KZVH.

Uns war es wichtig, dass die Patienten in dem Örtchen Launsbach zahnärztlich versorgt werden.
– Dr. Frederike Fehrmann
Praxisinhaberin
„Dann machen wir es“
„Uns war es jedoch wichtig, dass die Patienten in dem Örtchen zahnärztlich versorgt werden“, betont Dr. Fehrmann. Ein weiterer Aspekt kam hinzu: „Wir kannten die Arbeit in einer kleinen Praxis bereits aus meinen ersten Berufsjahren. Dies hat definitiv auch Charme, weil es viel ruhiger ist. Das sprach ebenfalls für die Zwei-Zimmer-Praxis in Launsbach.“
Eine Woche später wendete sich das Blatt: Von der KZVH kam überraschend das Go. „Dann machen wir es. Wir pinseln da mal durch – und los geht’s“, sagte sich das Ehepaar Fehrmann voller Tatendrang und Optimismus – wohlwissend, dass es ein Hintertürchen gab. „Für unsere ursprünglichen Expansionspläne am Standort in Heuchelheim hätten wir sowieso Inventar und Geräte gebraucht. Sollte die Zweitpraxis nicht wie erwartet laufen, dann montieren wir alles wieder ab und nutzen Möbel und Equipment im Anbau. Dann wäre die Investition nicht umsonst“, beschreibt die Zahnärztin ihre Gedanken während der Entscheidungsfindung. „Ohne diesen Plan B in der Tasche hätten wir möglicherweise anders entschieden.“
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Mehrere Faktoren sprachen für den Zweitstandort
Zuversichtlich blickt das Ehepaar Fehrmann heute in die Zukunft. Denn seit der Eröffnung des Zweitstandorts strömen Patienten in die neue Praxis. „Wir sind die nächsten Wochen ausgebucht und erweitern jetzt die Praxiszeiten.“
Mehrere Faktoren haben diesen Erfolg unterstützt. Das kleine Launsbach ist verkehrstechnisch gut angebunden. Auch ein Generationenwechsel kündigt sich in dem 2.500-Seelen-Dörfchen an, denn dort leben viele ältere Menschen – und es ist gut möglich, dass in den kommenden Jahren Häuser an die nächste Generation übergehen und wieder mit neuem Leben gefüllt werden. Zudem zeichnet sich ab, dass im Umkreis bald weitere Zahnarztpraxen aus Altersgründen schließen. „Diese Information ist für uns natürlich strategisch interessant“, sagt Alexander Fehrmann.
Die Praxis in Launsbach selbst ist klein, der Betrieb deshalb ruhiger und persönlicher als in dem großen Zahnzentrum in Heuchelheim. In der Zweigstelle können nun auch Behandlungen stattfinden, für die am Hauptstandort kein Platz ist – zum Vorteil jener, für die Launsbach besser zu erreichen ist, oder die das familiäre Ambiente schätzen. Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten ist das Leistungsspektrum in der Zweitpraxis allerdings reduziert; aufwendigere Eingriffe finden weiter am Hauptstandort statt.

In der Zweigstelle können nun auch Behandlungen stattfinden, für die am Hauptstandort kein Platz ist.
– Dr. Frederike Fehrmann
Praxisinhaberin
Nur wenige Wochen Zeit
Sommer 2025, die Entscheidung war gefallen, der Zeitplan allerdings eng. „Wir mussten uns beeilen, weil wir möglichst viele der ehemaligen Patienten unseres Vorgängers noch für uns gewinnen wollten“, erklärt Dr. Fehrmann. „Wir dachten, wenn wir erst ein Vierteljahr später aufmachen, ist es zu spät.“
Nach einigen Verhandlungen wurde man sich mit dem Vorgänger beim Kaufpreis einig. Wenig Zeit blieb auch für die Finanzierungsplanung. „Es gibt eine Reihe von Fördermöglichkeiten, die ich gerne beantragt hätte, doch dazu musste alles zu schnell gehen“, räumt Alexander Fehrmann ein. „Das hätte uns finanziell ein bisschen mehr Puffer gegeben.“ Doch beide waren sich einig: „Man muss positiv darangehen.“










Corporate Identity in der Zweitpraxis
Die Zeit für die anschließende Renovierung war ebenfalls knapp bemessen. Diese gestaltete sich dann doch aufwendiger als gedacht. „Es sollte ansprechend und gut aussehen“, sagt Dr. Fehrmann. „Die zweite Praxis sollte der in Heuchelheim gleichen – wie eine Filiale.“ Diese Corporate Identity sei „auch ein Wiedererkennungsmerkmal für Patienten, die von Heuchelheim hinüber nach Launsbach wechseln“.
Schnelle Hilfe stand parat. Der Sohn, angehender Bauingenieur, stellte den Kontakt zu den Handwerkern her und übernahm die Bauüberwachung. Mit gesammelten Kräften ging der Umzug der Möbel und Geräte innerhalb weniger Tagen vonstatten, sozusagen im Hauruck-Verfahren – und schon konnte der Praxisbetrieb starten.

Das Praxisteam in Heuchelheim musste von der neuen Idee überzeugt und mitgenommen werden.
– Dr. Frederike Fehrmann
Praxisinhaberin
Arbeit zunächst im rotierenden System
Dazu musste zuvor das Praxisteam in Heuchelheim von der neuen Idee überzeugt und mitgenommen werden. Wie kamen die Pläne an? „Nach anfänglicher Stille fingen dann die Ersten an zu klatschen“, erzählt Dr. Fehrmann erleichtert. „Sie wussten ja auch, dass der Standort Heuchelheim mittlerweile zu klein war. Und diejenigen, die in der allerersten Praxis schon mit dabei waren, freuten sich darüber, auch mal wieder in einer kleineren Zahnarztpraxis arbeiten zu können.“
Um dem Praxisteam den Übergang zu erleichtern, haben die Fehrmanns zudem einen Praxiscoach engagiert, etwa für ein Kommunikationstraining. Eine Zahnärztin wurde als Leiterin des Standorts Launsbach auserkoren. Gemeinsam mit Dr. Fehrmann selbst und zwei weiteren Zahnärztinnen wurde die Arbeit in den ersten Wochen in einem rotierenden System aufgeteilt, „um die neue Praxis ans Laufen zu bringen“. Mittlerweile ist das Personal aufgestockt worden. Unter anderem kommt eine Zahnärztin aus der Elternzeit wieder und arbeitet jetzt in Launsbach, auch ein neuer Assistenzzahnarzt für Heuchelheim wurde eingestellt.

Dinge können sich schnell ändern
Ihre Entscheidung für den Zweitstandort haben die Fehrmanns bis jetzt keine Sekunde bereut. Was würden sie bei den vorbereitenden Prozessen künftig möglicherweise anders machen? Dazu die Zahnärztin: „Ich würde mit mehr Zeit in ein solch großes Projekt starten. Das war halt bei den Gegebenheiten nicht möglich.“
Und das wohl Entscheidende: „Unsere ursprünglichen Gedanken kreisten nur um Heuchelheim. Wir planten einen Anbau und waren so im Tunnel, dass wir einen Zweitstandort gar nicht auf dem Radar hatten. Für die Praxis in Launsbach hätten wir uns nie entschieden, wenn der Makler nicht angerufen hätte.“ Man habe aber gesehen, wie schnell sich die Dinge ändern können. „Vielleicht müsste man von Anfang an einfach flexibler in verschiedene Richtungen denken und auch andere Möglichkeiten zulassen.“
Weiterhin treibt beide die Sorge um, dass die Patienten in der Region nicht gut versorgt werden, wenn eine Praxis nach der anderen schließt. „Im Moment ist jedoch keine weitere Expansion konkret geplant“, sagt Dr. Fehrmann. Stattdessen sollen auf dem Grundstück in Heuchelheim zunächst zusätzliche Parkplätze entstehen – auch weil das Team inzwischen deutlich gewachsen ist. So bliebe das Areal flexibel nutzbar und könnte perspektivisch ohne großen Aufwand um einen Anbau ergänzt werden.
„Vorrang hat nun erst einmal, die beiden bestehenden Standorte wieder voll auszulasten“, betont die Zahnärztin. Langfristig sei jedoch vieles denkbar: „Dann fügen wir entweder einen weiteren Standort hinzu – oder setzen den Anbau doch noch um. Was noch so kommt? Lassen wir uns überraschen!“
(Bildnachweis für diesen Beitrag: Nils Heck)



