Praxisabgeber_Beitragsbild_750x400_1

Ratgeber Praxisabgabe – Teil 1: Gute Vorbereitung zahlt sich aus

Der Markt für den Verkauf einer Praxis hat sich grundlegend gewandelt. Umso wichtiger ist deshalb die Vorbereitung!

Was ist konkret vor einer Praxisübergabe zu beachten? Wie hat sich die Situation am Markt verändert? Und was macht eine Praxis für einen jungen Zahnarzt interessant? In dieser Artikelserie finden Sie wertvolle Tipps für die gezielte Vorbereitung der Übergabe der eigenen Praxis. Im ersten Teil stehen Zahlen und Fakten zur veränderten Marktsituation im Mittelpunkt.

Die Zahnarztpraxis erfolgreich abgeben

Was früher einfach war, kann heute zum Problem werden. Dennis Schaffer, Abgeberberater bei Henry Schein beobachtet diesen Wandel mit zunehmender Sorge:

Wenn eine Praxis keinen Käufer findet und damit nicht weitergeführt wird, macht mich das traurig. Denn fast immer geht es um ein Lebenswerk, das sich der Zahnarzt über Jahrzehnte aufgebaut hat. Ich erlebe immer wieder, dass Praxisinhaber große Schwierigkeiten haben, Interessenten zu finden – und das trifft auch Zahnärzte, deren Praxen immer gut liefen.

Der Markt für Praxisverkäufer hat sich verändert …

… es gibt weniger Einzelzahnärzte, aber immer mehr Abgeber. Ihre Praxis ist Ihr Lebenswerk. Sie haben viele Jahre in den Räumlichkeiten verbracht, Patienten und Mitarbeiter sind Ihnen ans Herz gewachsen. Um nun einen passenden Nachfolger zu finden, sollten Sie eine andere Perspektive einnehmen: Welche Ansprüche hat wohl ein potentieller Übernehmer? Die heutige, technikbegeisterte Generation schaut nicht nur sehr genau auf das Alter Ihrer Geräte, sondern beurteilt zum Beispiel auch die Räume und den Stand der Digitalisierung sehr kritisch. Dazu muss der Übernehmer neue gesetzliche Anforderungen einhalten. Ein moderner Hygieneprozess und eine digitale Arbeitsweise machen Ihre Praxis attraktiver und wettbewerbsfähiger.

Die Zahl niedergelassener Zahnärzte in Deutschland sinkt seit 2007

Diese Entwicklung hat mehrere Gründe.

Quelle: Eigene Darstellung nach KZBV-Jahrbuch 2017
    1. Im Jahr 2007 trat ein Gesetz in Kraft, das die Anstellung von Zahnärzten sowie die Gründung von Berufsausübungs- gemeinschaften in erweitertem Umfang erlaubt. Die Zahl der Vertragszahnärzte geht seitdem kontinuierlich zurück. Tendenz weiter fallend.
    2. Das Angestelltendasein – sei es in einer Mehrbehandlerpraxis oder in einem großen MVZ – bietet mehr Sicherheit und Freiheit sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
    3. Obwohl die Neugründung die Ausnahme bildet (laut der Existenzgründeranalyse der apoBank/IDZ (2017) liegt der Anteil von Neugründungen als Einzelpraxis bei 7 %), ist sie durch die größere Flexibilität bei den individuellen Wünschen gerade für besonders ambitionierte junge Zahnärzte sehr attraktiv.
    4. Die Babyboomer-Generation der Nachkriegsjahre geht in Rente. Auf immer mehr Praxisabgeber treffen immer weniger Praxisübernehmer. Fazit: Der Markt verändert sich zuungunsten der Praxisübernehmer.

Für Zahnärzte, die in den nächsten 5 bis 15 Jahren verkaufen möchten, kann die Konsequenz aus diesen Tatsachen nur sein, sich intensiv mit der jungen Nachfolgegeneration zu beschäftigen. Die Wünsche und Anforderungen der potentiellen Käufer haben sich massiv verändert. Der Anteil von Zahnärztinnen und der Altersdurchschnitt der Praxisübernehmer haben sich deutlich erhöht.

Alter von Praxisgründern, in Prozent

Quelle: Eigene Darstellung nach Zahlen der apoBank/IDZ 2017
Quelle: Eigene Darstellung nach Zahlen der apoBank/IDZ 2017

Existenzgründer sind heute im Durchschnitt 36 Jahre alt. Entsprechend verfügen sie über relativ viel Erfahrung und haben sehr genaue Vorstellungen von der Ausstattung und den Patienten ihrer zukünftigen Praxis, aber auch von der möglichen Profitabilität.

Mehr Erfahrung bedeutet aber auch, genau abschätzen zu können, ob eine Praxisübernahme ihnen diese Möglichkeiten bieten kann. Ist eine Übernahme mit zu vielen Kompromissen verbunden, bleibt als Alternative die etwas risikoreichere Neugründung oder das komfortable Anstellungsverhältnis.

Die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen bezüglich Hygiene und Barrierefreiheit können den Verkauf alter Praxen zusätzlich erschweren, wenn der Abgeber sich nicht früh genug vorbereitet.

Zahnarztpraxis abgeben: Das A und O ist die vorausschauende Planung

Ein Nachfolger kauft nicht nur eine Praxis, sondern hauptsächlich das zu erwartende Einkommen. Auch wenn Sie gegen Ende Ihrer Karriere vielleicht den Wunsch verspüren etwas weniger zu arbeiten, ist es  wichtig, die Anzahl der Patienten und die Höhe des Einkommens zu erhalten oder zu steigern. Dafür können Sie sich z.B. einen Assistenzzahnarzt oder einen angestellten Zahnarzt in Ihr Team holen. Vielleicht finden Sie darüber sogar Ihren Nachfolger, der das Potential Ihrer Praxis erkennt.

Dennis Schaffer sieht darin eine Chance, die zu häufig verschenkt wird:

Sie müssen Ihrem Nachfolger eine klar erkennbare wirtschaftliche Perspektive bieten – etwa in Bezug auf den Patientenstamm, die Profitabilität und die Ausstattung. Die Übergabe sollten Sie mindestens zwei Jahre vor dem Abgabetermin vorbereiten – besser wäre sogar eine noch langfristigere Planung. Und suchen Sie sich rechtzeitig Unterstützung. Nicht zuletzt geht es auch darum, mit einem erfolgreichen Verkauf die Zahnarztpraxis für Ihre Patienten zu erhalten, die vielleicht schon in der zweiten oder dritten Generation in Ihre Praxis kommen.

Fazit: Machen Sie die eigene Praxis für die Übernahme so attraktiv wie möglich!

Im nächsten Teil dieser Artikelserie werden wir ausführlich auf diese einzelnen Empfehlungen zur Vorbereitung auf den Praxisverkauf eingehen.

Sie möchten Ihre Praxisabgabe vorbereiten und wünschen eine Beratung? Hinterlassen Sie uns einfach Ihre Kontaktdaten und eine Nachricht.