Wertsache Zeit: Sichtweisen für einen vom Aussterben bedrohten Wert.

Wertsache „Zeit“: Sichtweisen für einen vom Aussterben bedrohten Wert

Der Optimierungswunsch „Zeit“ scheint grenzenlos. Die Krux an der Geschichte: Je produktiver wir werden und je mehr wir pro Stunde erarbeiten, desto höher wird der Druck!

Zeit, Zeit, Zeit … Kennen Sie das andauernde Gefühl, noch etwas erledigen zu müssen? Man fühlt sich gehetzt und merkt, dass die Zeit immer weniger wird. In immer kürzerer Zeit versuchen wir immer mehr Dinge zu erledigen: Fast Food statt mit Ruhe kochen, Multitasking statt eins nach dem anderen, Power Nap statt ausgedehnte Mittagspause.

Zeit als Takt für’s Lebenstempo

Bringt uns die Technologisierung wirklich mehr Zeit für wichtige Dinge? Theoretisch ja, wenn wir „wichtig“ richtig definieren. Aber was ist wirklich wichtig? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten.

Beispiel 1 – Kommunikation:

Eine Mail ist in Bruchteilen einer Sekunde auf die andere Seite der Welt verschickt. Wurden früher z. B. zehn Briefe in einer Stunde geschrieben, schreiben wir heute zehn E-Mails  in weniger als einer halben Stunde. Und was machen wir mit der gesparten Zeit? Wir schreiben mindestens zehn weitere Mails und lesen zwischendurch noch die eingehenden Nachrichten, die uns auf den diversen Plattformen erreichen. Wir müssen reagieren, am besten sofort. Für eine Reflexion vor der Reaktion nehmen wir uns kaum noch Zeit.

Beispiel 2 – Multitasking:

Wer vor einigen Jahren mit Stolz feststellte, multitaskingfähig zu sein, geht heute mit dieser Aussage etwas behutsamer um. Untersuchungen haben gezeigt, dass das gleichzeitige Ausüben mehrerer Tätigkeiten den Stresspegel hebt und die Qualität des Ergebnisses senkt. Man fühlt sich müde, ausgelaugt und hat nach Feierabend kaum Energie, um Sport zu treiben oder intensive Freizeitmomente zu genießen.

Beispiel 3 – Anwesend abwesende Eltern

Haben Sie schon mal Eltern auf dem Spielplatz beobachtet? Zirka 85 % haben in der einen Hand die Sandschaufel und bedienen mit der anderen Hand das Smartphone. Man spricht von anwesend abwesenden Eltern. Physisch sind sie da, mental aber nicht bei ihrem Kind. Über das Phänomen der Spiegelneuronen  lernen die Kinder dieses Verhalten. Man kann sich ausmalen, wie die nächste Generation Kinder kommunizieren werden.

Zeit zum Abbremsen

Zeit ist der größte Luxus im Wohlstand! Wir stehen vor einem gesellschaftlichen Problem, aus dem man sich ein Stück weit rausnehmen kann. Einige Beispiele hierfür gibt Christian Lang, Dental-Business-Coach:

  1. Im Terminkalender regelmäßig Tage eintragen mit „NICHTS“. An diesen Tagen sind Sie fest verplant!
  2. Unantastbare Termine vergeben, z. B. jeden Dienstagabend Yoga-Kurs. Die Entscheidung, hinzugehen oder nicht, steht nicht zu Debatte. Der Druck, sich entscheiden zu müssen, fällt also weg.
  3. An der roten Fußgängerampel stehen und ganz bei sich bleiben. Nicht nervös zucken und überlegen, ob man die freie Straße trotz roter Ampel überqueren sollte.
  4. Im neuen Jahr einfach Mußezeit genießen, auch wenn nichts passiert, was auf Facebook gepostet werden könnte.
  5. Reflektieren und selbstkritisch hinterfragen: „Wie gehe ich mit meinen Zeitressourcen um?“
  6. Zeit verschenken – Momente genießen!

Zeit – Ein Wert der ewig währt

Christian Lang erklärt: „Woran werden Sie sich im Moment Ihres Ablebens erinnern? An schöne Momente! Durch die veränderte Kommunikation werden zwischenmenschliche Beziehung vernachlässigt. Daher ist bewusst genommene Zeit für andere Menschen so wertvoll. Nehmen wir uns im neuen Jahr Zeit für unsere Lieben. Wer Zeit verschenkt, wird mit Momenten belohnt. Genießen Sie bewusst erlebte Momente. Dann ist Zeit ein Wert, der ewig währt und uns menschlich bleiben lässt.“

Nehmen Sie sich Zeit im neuen Jahr!

Annett Kieschnick und Christian Lang