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Übersicht Vollkeramik-Materialien. Teil 2: Die Indikationen

Mit dieser Übersicht navigieren Sie sich durch die breite Vielfalt an Vollkeramik-Materialien.

Vollkeramik ≠ Vollkeramik. Die Palette ist breit. Für Zahntechniker und Zahnarzt ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Der erste Teil des Artikels gibt eine werkstoffkundliche Einordnung der Materialien. In diesem zweiten Teil stehen Indikationen und Anwendungsbeispiele im Fokus.

Die gute Nachricht: Die breite Palette an Vollkeramiken ermöglicht in fast jeder Situation eine funktionell ästhetische Rehabilitation. Die schlechte Nachricht: Für die Materialwahl existiert kein Patentrezept. Eine Universalkeramik, die für alle Indikationen optimal geeignet ist, gibt es nicht. Die klinische Indikation und die Anwendung in Praxis und Labor sind abhängig von den Werkstoffeigenschaften.

Wie im Teil 1 des Artikels beschrieben, kann eine mögliche Einteilung von Vollkeramiken nach ihrer Zusammensetzung erfolgen. Grob unterschieden werden können die Oxidkeramiken (z. B Zirkonoxide) von den Silikatkeramiken (z. B. Glaskeramiken).

Lithiumdisilikat-Keramiken

Dieses Material aus der Gruppe der Glaskeramik hat eine drei- bis viermal höhere Festigkeit als herkömmliche Glaskeramik. Die Verarbeitung erfolgt in der Press- oder CAD/CAM-Technik.
Für die CAD/CAM-gestützte Anwendung werden die Keramiken in einer vor- oder teilkristallisierten Phase ausgeliefert. Das Material hat sehr gute lichtoptische Eigenschaften und gewährt eine gute ästhetische Integration.

Beispiele Indikationen:
Veneers (≥ 0,3 mm), Inlays, Kauflächen-Veneers, Teilkronen, Kronen, 3-gliedrige Brücken (bis zum 2. Prämolaren als endständiger Pfeiler), Hybrid-Abutments

Beispiele Produkte:
IPS e.max (Ivoclar Vivadent), Initial LiSi (GC Germany)

Lithiumsilikat-Keramiken

Diese Keramiken besitzen ähnliche Festigkeitswerte wie Lithiumdisilikat. In der Glasphase der Keramiken sind bis zu 10 % gelöstes Zirkonoxid vorhanden (= zirkonoxidverstärkte Lithiumsilikat-Keramik).
Hintergrund der Zirkonoxidbeigabe ist u. a. eine beabsichtigte Verbesserung der Festigkeit und der chemischen Beständigkeit. Durch den Anteil fein dispers verteiltem Zirkonoxid entstehen nach der Kristallisation ein homogenes Gefüge und eine feine Mikrostruktur, die u. a. für die guten lichtoptischen Eigenschaften (Chamäleoneffekt) verantwortlich ist. Besonderheit des Werkstoffes ist, dass die Endfestigkeit über die Finalisierung gesteuert werden kann durch:

  1. eine einfache Politur direkt nach dem Ausschleifen (ca. 210 MPa)
  2. einen Glasurbrand, z. B. kombiniert mit einer farblichen Individualisierung (ca. 370 MPa).

Beispiele Indikationen:
Kronen, Teilkronen, Inlays, Onlays, Veneers

Beispiele Produkte:
Celtra Duo (Dentsply Sirona), Suprinity (VITA Zahnfabrik)

Lithiumalumo-Silikatkeramik

Eine noch relativ junge Alternative mit vergleichbaren Anwendungen und guten ästhetischen Eigenschaften ist Lithiumalumo-Silikatkeramik. Werkstoffkundlich betrachtet ist die vollkristallisierte Glaskeramik ein mit Lithiumaluminosilikat verstärktes Lithiumdisilikat.

Die Biegefestigkeit beträgt 350 MPa (+/- 50). Das Material kann ohne zusätzlichen Kristallisationsbrand beschliffen, poliert und eingesetzt werden.

Beispiele Indikationen:
Kronen, Teilkronen, Inlays, Onlays, Veneers

Beispiele Produkte:
Straumann n!ce (Straumann)

Polymerbasierte CAD/CAM-Werkstoffe

Diese Materialien werden den polymerbasierten CAD/CAM-Werkstoffen bzw. – je nach Material – den CAD/CAM-Kompositen zugeordnet. Es handelt sich um eine Kombination aus Keramik- und Polymermaterialien (Verbundmaterialien). Auch die polymerinfiltrierte Keramik kann hierzu gezählt werden.
Laut Herstellerangaben entspricht der Biegemodul von Hybridmaterialien annähernd dem von Dentin, wodurch eine einheitliche Stressverteilung unter funktioneller Belastung zu erwarten sei (Absorption der Kaukräfte).
Die Verarbeitung der Materialien erfolgt CAD/CAM-gestützt. Nach dem Ausschleifen wird die Restauration poliert und fertiggestellt. Gegebenenfalls erfolgt eine farbliche Charakterisierung mit lichthärtenden Malfarben. Ein zusätzlicher Brand entfällt.

Beispiele Indikationen:
Vollkronen, Inlays, Onlays, Veneers

Beispiele Produkte:
cerasmart (GC), VITA Enamic (VITA Zahnfabrik)

Zirkonoxid-Keramiken

Zirkonoxid ist in verschiedenen Materialmodifikationen verfügbar. Zu beachten sind u. a. die Materialkennwerte (z. B. Biegefestigkeit), die Indikationen und Verarbeitung beeinflussen.
Während viele opake Zirkonoxide (auch Erste Generation genannt) eine relativ hohe Biegefestigkeit (zirka 1200 MPa) haben, bieten Zirkonoxide der Dritten Generation zwar eine sehr gute Ästhetik, dafür aber eine geringere Biegefestigkeit (zirka 580 MPa). Hieraus resultieren die Indikationen im klinischen Alltag.

Beispiele Indikationen Zirklux 16+:
Monolithische Kronen und Brücken (Seitenzahngebiet), Kronen- und Brückengerüste, Abutments, Primärteile

Beispiele Indikationen Zirlux Anterior:
Monolithische Kronen (Front- und Seitenzahngebiet), dreigliedrige Brücken bis zum Prämolaren, Veneers, Inlays, Onlays

Beispiele Produkte:
Zirlux 16x (Henry Schein), Zirlux Anterior (Henry Schein)

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