Trends keramische Materialien

Vollkeramische Materialien: Trends und Vorlieben im Laboralltag

Die Materialvielfalt für vollkeramische Restaurationen lässt einen breiten Spielraum für die Fertigung von Zahnersatz zu. Für fast jede Situation kann aus passenden vollkeramischen Materialien gewählt werden. Der Zahntechniker wird mehr und mehr zum Werkstoffkunde-Spezialisten, der Zahnarztkunden beratend unterstützt. In einem Interview erklärt ZT Carsten Fischer, weshalb er Fan verschiedener vollkeramischer Materialien ist.

 

Im Gespräch mit ZT Carsten Fischer

Welche vollkeramischen Materialien kommen in Ihrem Laboralltag zum Einsatz?

Fischer: Grundsätzlich: Vollkeramik ≠ Vollkeramik! Dem müssen wir uns bewusst sein und gezielt auf Materialeigenschaften blicken. Als Zahntechniker bin ich an einer hohen Flexibilität interessiert. Ich möchte mich nicht nur auf eine Materialgruppe festlegen, dafür ist die Indikationsvielfalt im Alltag zu hoch. Wir arbeiten mit verschiedenen Zirkonoxidmaterialien, Glaskeramiken, Lithium-Disilikat, Hybridkeramiken und natürlich mit Verblendkeramiken. Und auch wenn wir über „Vollkeramik“ sprechen: Moderne Komposit-materialien sollten nicht vergessen werden.

Woran orientieren Sie sich bei der Materialauswahl?

Fischer: Primär stehen die Wünsche und Präferenzen des Zahnarztes. Oft überlegen wir gemeinsam, welches Material indikationsbezogen optimal ist. Unverzichtbar ist hierbei, dass das gewählte Material temporär zementierbar ist. Zudem lege ich hohen Wert auf die Evidenz. Es muss eine verlässliche Datenlage vorliegen. Dies gibt mir die Sicherheit, die der Zahnarzt erwartet. Daher setze ich auf Premium-materialien.

  • Komplexe Brückenversorgung: Hier werde ich ein modernes Zirkonoxid (z. B. Zirlux FC 2 oder Zirlux 16+, Henry Schein) wählen. Das Material vereint hohe Ansprüche an Ästhetik und Funktion. Im Seitenzahnbereich favorisiere ich die monolithische Fertigung. Im Frontzahnbereich kombiniere ich die Vollanatomie mit einer individuellen Verblendung.
  • Einzelzahnkrone Seitenzahnbereich: Da greife ich gern auf Glaskeramik (Lithium-Disilikat) zurück und arbeite monolithisch. Lithium-Disilikat ist für die CAD/CAM-gestützte Fertigung (z.B. IPS e.max, Ivoclar Vivadent) oder für die Presstechnik (z. B. GC Initial LiSi Press) verfügbar. Auch Hybridkeramik (z. B. GC Cerasmart) wäre denkbar.
  • Einzelzahnkrone Frontzahnbereich: Hier bevorzuge ich hochtransluzente Zirkonoxide („Anterior-Schichtrohling“), die polychromatisch eingefärbt sind (z. B. Katana UTML, Kuraray Noritake). Gefräst wird ein Gerüst, welches zur farbtragenden Basis für meine individuelle Verblendung wird.
  • Hybrid-Abutments: Für das Verkleben mit der Titanbasis bevorzuge ich grundsätzlich Zirkonoxid.

 

Welche Material-Innovationen haben Sie in den vergangenen Monate beeindruckt?

Fischer: Das waren einige; die Entwicklung in dem Bereich ist beeindruckend. Zirlux16+ gehört auf jeden Fall zu meinen Highlights. Das voreingefärbte Zirkonoxid ist in den 16 Farben des Vita-Farbrings erhältlich und kann zusätzlich individuell eingefärbt werden. Ich reproduziere somit jede Zahnfarbe exakt des Vita-Farbrings. Materialeigenschaften wie Biegefestigkeit und Bruchzähigkeit sind davon unbeeinflusst. Außerdem begeistern mich die hochtransluzenten, polychromatischen Zirkonoxide als Gerüstmaterial im Frontzahnbereich. Aber auch die Hybridkeramiken sind zu nennen, die ebenfalls in vielen Indikationen vielversprechend sind.

Glauben Sie, dass es auf der IDS nennenswerte Neuheiten zu entdecken gibt?

Fischer: Selbstverständlich! Die Entwicklungen gehen weiter und das ist gut so. Es sind noch viele Lücken, die geschlossen werden müssen. Genau beobachten werde ich, was im Bereich der offenen Systeme passiert und ob wir in punkto digitaler Workflow einen Schritt weitergehen können. Spannend werden außerdem die neuen Materialien für den 3D-Druck sein. Auch hier ist Luft nach oben. Grundsätzlich können wir alle gespannt darauf sein, was uns von der Industrie geboten wird. Aber auch wenn sich vieles ändert, eines bleibt gleich: Wir Zahntechniker müssen uns regelmäßig mit Materialgruppen, Werkstoffkunde-Eigenschaften und der Evidenz auseinandersetzen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Annett Kieschnick, Fachjournalistin

 

 

Carsten Fischer, Zahntechniker und Fan vollkeramischer Materialien

 

ZT Carsten Fischer gilt seit Jahren als Spezialist für vollkeramische Restaurationen. Er war eng an der Entwicklung einiger Material-Innovationen beteiligt. Im Arbeitsalltag setzt er auf Vielfalt und Flexibilität. ZT Fischer ist zudem aktives Vorstandsmitglied des EADT e.V., eine Fachgesellschaft, die sich u.a. intensiv mit mentaler Werkstoffkunde beschäftigt.