Entwicklung und Prognose zum Wandel des Patienten in der Dentalbranche

Der Patient im Wandel – darauf sollten Sie sich einstellen

Ein Blick in die nahe Zukunft zeigt, wie stark die gesellschaftlichen Veränderungen auch die Arbeit in der Zahnarztpraxis und dem Dentallabor verändern werden. Digitale Plattformen, virtuelle Kommunikation, Telematik, Demografie, Migration … – Zahnärzte sowie Zahntechniker sollten sich mit diesen Themen auseinandersetzen.

Patienten und Zahnärzte – ein stetiges Zusammenspiel. Der eine kann nicht ohne den anderen. Entsprechend wichtig ist es sich an die jeweilige Entwicklung anzupassen. Sehen Sie also nicht einfach tatenlos zu, wie sich Ihre Patienten verändern – gehen Sie mit der Entwicklung mit.

Wir haben für Sie einen kleinen Ausblick auf den Wandel des Patienten in Labor und Praxis zusammengestellt, damit Sie sich optimal auf Chancen und Herausforderungen vorbereiten können.

1. Wandel des Arzt-Patienten-Verhältnis und die „Marktkraft“ des Patienten

„Dr. Google“ wird immer häufiger zur ersten Instanz. Circa 58 Prozent der Menschen in Deutschland googeln bereits heute symptom- beziehungsweise krankheitsbezogene Informationen vor einem Arztbesuch, 62 Prozent nach dem Arztbesuch. Dies ergab eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Patienten nutzen Arztsuche- und Bewertungsportale, tauschen sich auf Plattformen aus, informieren sich über Behandlungsverfahren, Alternativen etc. Es ist davon auszugehen, dass die Telematik-Infrastruktur die hohe Akzeptanz digitaler Medien weiter forciert.

Videosprechstunden, Apps auf Rezept und Gesundheitsdaten in der elektronischen Patientenakte (ePa) – all dies ermöglicht das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), welches die Bundesregierung im November 2019 beschlossen hat.

Die Veränderungen betreffen auch die Zahnmedizin. Patientendaten fließen aus unterschiedlichen Quellen zusammen und geben einen interdisziplinären Überblick für die Diagnose bzw. einen möglichen Behandlungsverlauf. Ärzte (Internisten, Zahnärzte, Augenärzte etc.), Psychotherapeuten, Apotheken et cetera erhalten mit einem durchdachten E-Health-Konzept eine sichere Möglichkeit zur Vernetzung.

Zentrales Element der vernetzten Gesundheitsversorgung ist die elektronische Patientenakte. Spätestens ab Januar 2021 müssen gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten eine solche ePA anbieten.

2. Kommunikation und veränderte Therapieabläufe

Patienten sind verwöhnt. Die vielen ganz normalen digitalen Angebote, mit denen komfortabel der Friseurtermin gebucht, der Tisch im Lieblingsrestaurant reserviert oder der Fahrdienstleister geordert werden kann, vereinfachen den Alltag.

Viele Patienten möchten auf diesem smarten Weg auch den Zahnarzttermin buchen oder den Besuch im Dentallabor abstimmen. Zumindest für Erstkonsultation, Informationsgespräche oder Kontroll- und Prophylaxetermine lassen sich solche Angebote logistisch in den Praxis- bzw. Laborablauf integrieren.

Zudem achten immer mehr Menschen auf den Online-Auftritt der jeweiligen Praxis oder des Dentallabors und beziehen dies in ihre Arztwahl ein. Wie modern präsentiert sich die Praxis oder das Labor? Kann eine einfache Kontaktaufnahme erfolgen und/oder gibt es direkten Einblick auf freie Termine? Wird über Social-Media-Kanäle kommuniziert? Der Patient möchte es komfortabel und möglichst einfach.

Parallel verändern sich Diagnostik, Beratung und Therapie. Telematik und Videosprechstunden können bald zum Alltag gehören. Patienten wünschen sich für die Beratung Tools, mit denen sie eine notwendige Maßnahme besser verstehen können.

Die Zahnmedizin und die Zahntechnik bieten diverse Möglichkeiten, z. B. Vorher-Nachher-Apps (z. B. IvoSmile, Ivoclar Vivadent; Smile Composer und RealView Engine, beides 3Shape) oder digitale Planungstools (z. B. DSD). Zudem sind virtuelle Behandlungssimulationen möglich. Beispiel hierfür ist die Software Cerec Ortho SW 2.0 (Dentsply Sirona). Zum Visualisieren von Veränderungen der Zahn- und Schleimhautsituation bietet auch die Software OraCheck 5 (Dentspyl Sirona) eine zeitgemäße Patientenkommunikation.

Moderne Intraoralscanner lassen einen hohen Komfort zu und gewähren einen großen Mehrwert, u. an für die Patientenkommunikation. Beispiel ist der Primescan (Dentspyl Sirona). Ein weiterer Wandel ist hinsichtlich der Therapiewünsche zu beobachten. Patienten konsultieren immer häufiger mit ästhetisch indizierten Anliegen die Praxis. Beispielhaft seien kieferorthopädische Therapien genannt (z. B. Zahnkorrekturschienen / Aligner).

3. Demografischer Wandel und Migration

Deutschland wird alt! Im Jahr 2030 werden mehr als 30 Prozent der Deutschen älter als 60 Jahre sein, im Jahr 2060 circa 39 Prozent. Der Verschiebung des Altersaufbaus in Richtung alter und hochaltriger Menschen hat vielerlei Auswirkungen, auch auf die zahnmedizinischen Leistungen.

Allgemein bringt die Verschiebung der Alterspyramide einige Herausforderungen für Zahnarztpraxis und Dentallabor mit sich, zum Beispiel multimorbide Patienten. Es ist mit einer Zunahme von Erkrankungen wie Diabetes, Krebs sowie Demenz zu rechnen und damit einhergehend mit Polypharmazie. Darauf müssen insbesondere Zahnärzte eingestellt sein; in vielen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder mit den Spezialisten anderer Fachbereiche zu pflegen. Dies wird dank digitaler Möglichkeiten – z. B. elektronische Patientenakte – vereinfacht.

Zudem wird das Thema Migration und Zuwanderung den Praxis- und Laboralltag beeinflussen. Oft gilt es, Sprachbarrieren zu überwinden und kulturelle Besonderheiten zu beachten. Unter anderem bei der sprachlichen Verständigung können digitale Technologien unterstützen.

Und hier schließt sich der Kreis. Ein starker Faktor für den Wandel des Patienten ist wieder einmal die Digitalisierung. Die Digitalisierung als Teil des Wandels begleitet viele gesellschaftliche Veränderungen, die selbstverständlich nicht von heute auf morgen stattfinden, sondern Stück für Stück in den Alltag integriert werden.