Bleaching: Sechs Fakten zur Zahnaufhellung in der Praxis

Bleaching: Sechs Fakten zur Zahnaufhellung in der Praxis

Der Wunsch nach schönen hellen Zähnen führt immer mehr Menschen zum Zahnarzt: Sechs Fakten zum Bleaching-Trend.

Bleaching ergänzt im Sinne der Patientenbedürfnisse das zahnärztliches Behandlungsspektrum.

#1 Die Ware: Schöne Zähne

Menschen sind zunehmend bereit, für schöne, gesunde Zähne Geld zu investieren; die Mundgesundheit hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Prophylaxe- sowie ästhetisch indizierte zahnärztliche Maßnahmen nehmen zu. Blendend verkaufen lassen sich auch vermeintlich zahnaufhellende Produkte, wie Weißmacher-Zahncreme oder Zahnweiß-Kaugummis.

Ist das Bleaching ein Teil des zahnärztlichen Praxiskonzeptes, kann auf die Wünsche der Menschen professionell reagiert werden. Die Nachfrage steigt merklich.

#2 Zahnarzt vs. Kosmetikstudio

Eine europäische Verordnung reglementiert die Anwendung von Bleaching-Produkten. Zahnbleichmittel fallen demnach unter die Definition von Mundmitteln und sind frei verkäuflich, sofern sie max. 0,1 % Wasserstoffperoxid nicht überschreiten. Professionelle Zahnbleichmittel mit einer Konzentration von mehr als 0,1 % Wasserstoffperoxid dienen einer medizinischen Zweckbestimmung, sind Medizinprodukte und unterliegen dem Zahnarzt.

Das Bleichen der Zähne ist eine zahnärztliche Tätigkeit, dies betont auch die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in einer Stellungnahme.

#3 Viele Methoden und ein Ziel

Es gibt viele zahnärztliche Bleaching-Maßnahmen, wobei der gebräuchliche Wirkstoff in der Regel Carbamidperoxid ist. Nach Kontakt mit Zahnschmelz, Ionen, Proteinen und Feuchtigkeit dissoziiert das Carbamidperoxid in den aktiven Bestandteil, dem eigentlichen Wirkstoff (Wasserstoffperoxid und Harnstoff). Durch das Diffundieren des Wasserstoffperoxids in die Zahnsubstanz werden eingelagerte Farbstoffe entfernt. Das Bleichmittel bewirkt durch die Abspaltung von Sauerstoff eine Oxidation von anorganischen Farbstoffmolekülen – die Zahnaufhellung.

Bleaching-Produkte müssen einen neutralen pH-Wert besitzen, sodass die Zähne bei der Anwendung nicht aufgeraut werden. Dies würde eine erneute Verfärbung unterstützen.

#4 Gründe für das Bleaching

Das strahlende Lächeln ist der Grund, der zuerst mit dem Bleaching assoziiert wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei die demografische Veränderung der Gesellschaft. Zunehmend wünschen gerade Patienten im Alter von 50+ eine Zahnaufhellung, denn altersbedingte Zahnverfärbungen werden nicht mehr ohne Weiteres akzeptiert.

Doch es gibt auch medizinische Ursachen für eine Zahnaufhellung, wie traumatisch bedingte Verfärbungen. Durch ein professionelles Bleaching kann häufig eine invasive Therapie (Kronen, Veneers) – je nach Grad der Beeinträchtigung – vermieden werden. Die Ursachen von Zahnverfärbungen unterscheiden sich zwischen den intrinsischen (z. B. Blutabbauprodukte der nekrotischen Pulpa, Fehlbildungen) und den extrinsischen (z. B. Ablagerungen von Genussmitteln) Verfärbungen.

Starke Zahnverfärbungen können für den Betroffenen belastend sein. Eine Aufhellung – Bleaching – hat in diesen Fällen auch einen psychologisch-therapeutischen Aspekt.

#5 Gesundheit geht vor Ästhetik

Das schonende Vorgehen bei einer Zahnaufhellung ist eine grundlegende Forderung. Für ein sanftes und sicheres Vorgehen sollten Herstellervorgaben und Einwirkzeiten beachtet werden. Bei Zähnen mit geschädigtem Zahnschmelz ist Vorsicht angeraten; hier kann die Zahnhartsubstanz beeinträchtigt werden. Zu beachten ist auch, dass Bleichmittel vorhandene Zahnfüllungen (Kunststoff, Glasionomerzement) oberflächig erweichen können. Achtung ist bei provisorischen Kronen aus methacrylathaltigen Kunststoffen geboten; hier ist durch den Bleichwirkstoff eine gelbliche Verfärbung möglich.

Der Kontakt von Bleichmitteln mit Amalgamfüllungen ist zu vermeiden, da unter Umständen Wechselwirkungen auftreten können.

#6 Weißmacher und Schwarzmaler

Schönheit ist Ansichtssache. Während in Europa und insbesondere in den USA der Trend zu immer weißeren Zähnen geht, gibt es Kulturen und Völker, die schwarze Zähne bevorzugen. Mit Tinkturen und Kräutern werden bzw. wurden die Zähne dunkel gefärbt. Die Azteken zum Beispiel standen auf violett und rot. Sie stellten die Farbe aus Cochenille-Läusen her. In Japan wurden bis ins 19. Jahrhundert Zähne als Zeichen der Vermählung geschwärzt. In Europa ist das Aufhellen der Zähne seit dem Mittelalter bekannt.

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde erstmals Wasserstoffperoxid als Mundspüllösung erwähnt und dessen zahnbleichende Wirkung 1884 beschrieben.


Übersicht zu professionellen Bleaching-Methoden

  • Chairside-Bleaching: Auf die Zähne wird ein hoch konzentriertes Bleichgel aufgetragen. Das Zahnfleisch muss zum Schutz abgedeckt werden. Optional dienen Laser oder Halogenlampen (Wellenlänge zw. 400 – 500 nm) zur Katalysation. Der Patient bleibt während der Behandlung auf dem Zahnarztstuhl.
  • In-Office-Bleaching: Die professionelle Bleichmethode erfolgt unter zahnärztlicher Beobachtung und ist bei stärkeren Verfärbungen indiziert. Das Bleichmittel – appliziert in einer Schiene – wirkt für 30 bis 60 Minuten ein. Der Patient bleibt währenddessen in der Praxis, z. B. im Wartezimmer.
  • Home-Bleaching: Der Patient wird einmalig in der Praxis angewiesen und füllt das Bleichmittel selbstständig in die individuell angefertigte Kunststoffschiene, die er während einer vorgegebenen Einwirkzeit trägt. Die Anwendung wird vom Patienten wiederholt, bis die gewünschte Aufhellung erreicht ist.