Metallfreier Zahnersatz mit PAEK

Unter die Lupe genommen – Metallfreier Zahnersatz mit PAEK

Was, wenn Ihr Patient einen metallfreien Zahnersatz wünscht, aber „festsitzend“ nicht in Frage kommt? Die abnehmbare Versorgung metallfrei zu gestalten, galt bislang als neuralgischer Punkt. Mit PAEK-Werkstoffen wird eine interessante Alternative geboten.

PAEK ist das „neue Bio“ und Bio ist Trend?! Bio-Zahnersatz geht oft einher mit der Forderung „metallfrei“. Aus allergologischer Sicht können verschiedene Metalllegierungen im Mund unerwünschte Reaktionen und Nebenwirkungen auslösen. Folgen können multiple Beschwerdebilder sein, die nicht nur auf den Kontaktbereich (Mundschleimhaut) beschränkt sind. Dank der Entwicklungen in der Werkstoffkunde stehen erstklassige Materialien für metallfreie Restauration zur Verfügung. Hierzu gehören u. a. Zirkonoxid (z. B. Zirlux) oder Lithium Disilikat.

Allerdings gab es für die abnehmbare Prothetik bislang keine adäquate Alternative zur Metalllegierungen. Mit der Einführung von PAEK in der prothetischen Zahnmedizin wurde diese Lücke geschlossen.

Was ist PAEK?

PAEK-Werkstoffe (PolyArylEtherKeton) sind teilkristalline Polymere, die zur Gruppe der Hochleistungsthermoplaste gehören. Hohe mechanische und gute chemische Eigenschaften sowie die Freiheit von Restmonomeren machen PAEK zu einem in der Zahnmedizin interessanten Material. Aufgrund ihrer Biokompatibilität gelten PAEK-Werkstoffe als hervorragende Alternative zu metallischen Versorgungen.

Welche PAEK-Werkstoffe gibt es?

Grob untergliedert werden kann in PEEK (PolyEtherEtherKeton) und PEKK (PolyEtherKetonKeton). Diese Nomenklaturen zeigen, dass sich die Unterschiede aus der Modifikation der funktionellen Gruppen in der Polymerkette ergeben. Durch die Variationen werden die Eigenschaften des Materials verändert bzw. optimiert. Für den Anwender bedeutet dies, PAEK ist nicht gleich PAEK.

Wo liegen Unterschiede der PAEK-Werkstoffe?

Die optischen und chemischen Eigenschaften von PEEK und PEKK sind nahezu identisch. Doch wo liegen die Unterschiede?

  • PEEK (diverse Produkte) ist das derzeit bekannteste Material unter den PAEK-Werkstoffen. Zusätzlich zu reinem PEEK werden Produkte mit einem TiO2-Füllstoffgehalt von 20 bis 30 Gew.% angeboten. Durch das Einbringen von Titanoxid (TiO2) wird die Farbe für prothetische Anwendungen optimiert. PEEK gibt es je nach Produkt und Hersteller in grau über perlweiß bis zu hellgelb. Seit einiger Zeit sind zudem rosafarbene Materialien für Gingivaanteile verfügbar.
  • Im Gegensatz zu PEEK ist PEKK (Produkt Pekkton) aus nur einer Ether- und zwei Ketongruppen aufgebaut. Das Polymer ist dadurch etwas steifer. PEKK ist zur Optimierung der mechanischen Eigenschaften mit 10 Gew.% TiO2 gefüllt und hat einen leicht gräulichen Farbton. Der Werkstoff ist für verschiedene Indikationen angepasst.

Indikationen und Anwendung

Für die verschiedenen PAEK-Werkstoffe ergeben sich diverse Indikationsbereiche, z. B. Kronen- und Brückengerüste, Prothesenbasen und -klammern, Implantat-Abutments und Teleskope. Die Verarbeitung erfolgt CAD/CAM-gestützt oder – mit einer entsprechenden Technologie – in der Presstechnik. Hier gilt es die Herstellerangaben zu beachten, um die mechanischen Eigenschaften nicht negativ zu beeinflussen.

PAEK-Werkstoffe sind in vielen Indikationen eine gute Alternative für den metallfreien Zahnersatz. Insbesondere in der abnehmbaren Prothetik wird diese Werkstoffklasse von vielen als das „neue Bio“ betrachtet.

Annett Kieschnick, Fachjournalistin