Digitale Abformung - Löffel abgeben

Löffel abgeben? Digitale Abformung, Wirtschaftlichkeit und Wege zum physischen Modell

Lohnt sich ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen? Auf jeden Fall, wenn es um den Wechsel von analogen auf digitale Arbeitsprozesse geht. Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen ist im ersten Schritt wenig zielführend.

Thematisiert man die Vorzüge der digitalen intraoralen Datenerfassung, wird oft die Phrase laut: „Sie können Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“. Doch! Man kann nicht nur, sondern muss. Und was sollte man vergleichen, wenn nicht Unterschiedliches?

Der Lärm einer stillen Revolution

Wirtschaftlichkeit, Genauigkeit, Effizienz – das sind grundlegende Aspekte beim Vergleich der konventionellen mit der digitalen Abformung, aber bei Weitem nicht die einzigen. Grundsätzlich verändert sich mit der digitalen Abformung alles.

Der Begriff „Abformung“ scheint überholt, denn moderne Intraoralscan-Systeme (z. B. Omnicam Connect, Dentsply Sirona oder TRIOS 3, 3Shape) bieten mehr als die Erfassung des Zahnbogens. Hier etabliert sich der digitale Dreh- und Angelpunkt des ganzen prothetischen Spektrums – „Digital Workspace“. Innovative Software-Tools und Hochleistungsrechner eröffnen neue Möglichkeiten. Integriert werden z. B. Scandaten, Röntgenbilder, Patientenakten, Analyse- und Planungstools, Simulationsmöglichkeiten, Verlaufskontrolle, Datenarchivierung, virtuelle Ästhetik-Anprobe, Dialogstation zum Dentallabor, Steuereinheit für Ausgabegeräte (Fräsmaschine, Drucker) etc.

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit zirka 10 % der Zahnärzte die Technologie nutzen. Was hindert die anderen 90 % daran, den Abformlöffel – zumindest für entsprechende Indikationen – abzugeben?

Rechnet sich die digitale Abformung?

Die primäre Frage nach der Wirtschaftlichkeit kann nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden, denn genauso könnte man fragen „Rechnet sich für mich das Internet?“. Es spielen viele Faktoren eine Rolle.

Die konventionelle Abformung ist im Praxisalltag implementiert. Für die Etablierung eines Intraoralscanners fallen Kosten an und es bedarf Zeit sowie Arbeit. Dieser Aufwand korreliert für viele Zahnärzte nicht mit dem Nutzen. Einerseits verständlich, doch andererseits: Hier steht ein Umdenken an! Man kann die konventionellen Arbeitsabläufe nicht einfach durch digitale Prozesse ersetzen, denn es bieten sich völlig neue Anwendungsgebiete. Dies erschwert den Vergleich bzgl. einer betriebswirtschaftlichen Betrachtung. Die gesamte digitale Prozesskette ist einzubeziehen:

  • Abformung
  • Komfort
  • Reproduzierbarkeit
  • Verlaufskontrolle
  • Team-Kommunikation
  • Chairside-Option, Patientenberatung etc. bis hin zur geringeren Fehlerquote bei prothetischen Arbeiten oder zu einer steigenden der Patientenzahl (Gewinnung Neu-Patienten).

Zudem gesellt sich die Tatsache, dass eine neue Generation von Zahnärzten und Zahntechnikern heranwächst. Für viele von ihnen ist die digitale Zahnheilkunde selbstverständlich. Sie nutzen die Vorteile mit allen ihren Mehrwerten.

Was kommt nach der digitalen Abformung?

Trotz digitalem Workflow ist in vielen Situationen ein physisches Modell unverzichtbar. Kein Problem, denn hierfür gibt es diverse Optionen. Zu unterscheiden ist zwischen additiver und subtraktiver Modellherstellung. Es besteht die Möglichkeit, die Abformdaten an ein zentrales Fertigungszentrum (z. B. Dedicam, infiniDent, Dentsply Sirona oder Dreve) zu senden, die eine schnelle Verfügbarkeit von Modellen gewähren. Außerdem kann das Modell inhouse mit einer 5-Achs-Fräsmaschine gefräst oder mit dem 3D-Drucker gedruckt werden.

Das System der Wahl

Die verschiedenen Intraoralscanner unterscheiden sich u. a. in der Aufnahmetechnik. Beispiele:

  • TRIOS 3, 3 Shape (Dänemark), arbeitet nach dem konfokalen Laserstrahlprinzip. Das aufgenommene Objekt wird dreidimensional berechnet und farbig abgebildet. Wie die Vorgängermodelle scannt Trios 3 mittels Videosequenz.
  • Bei der CEREC Omnicam, Dentsply Sirona erfolgt die Datenakquisition durch das Triangulationsverfahren. Die Daten werden in einem fließenden Scanprozess erfasst; vergleichbar mit dem Vorgang des Filmens.

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Zudem variieren die Systeme bzgl. der Daten-Weiterverarbeitung. Kommt es zur Entscheidung für einen Intraoralscanner, sollte man sich Zeit nehmen und die Systeme gegenüberstellen. Es ist ratsam, Experten in den Prozess einzubeziehen. Sie beraten weitestgehend objektiv und verfügen über fundiertes Wissen. Denn nun ist der Zeitpunkt, um „Äpfel mit Äpfeln“ zu vergleichen.

Annett Kieschnick, Freie Fachjournalistin