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Zukunft Zahntechnik. Teil 2: Die Vernetzung

Wie sieht die Zukunft der Zahntechnik aus? In drei Teilen wagen wir einen Blick in die Kristallkugel und ziehen aus den aktuellen Entwicklungen Schlüsse für die kommenden Jahre. Dieser zweite Teil beschäftigt sich mit den Veränderungen im Bereich Vernetzung und Informationsaustausch.

 

Im ersten Teil unserer Serie haben wir einen Ausblick auf die zahntechnische Fertigung der Zukunft gegeben. Zweiter wichtiger Faktor für die Zukunft der Zahntechnik ist die Entwicklung der Vernetzung. Neue Plattformen spielen bei der digitalen Revolution in vielen Branchen die Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Traditionelle Geschäftsmodelle werden quer durch alle Branchen von Start-ups und digitalen Plattformen in Frage gestellt. Dieser Veränderungen, die bestehende Geschäftsmodelle ablösen, werden als Disruption bezeichnet, was soviel wie kreative Zerstörung bedeutet.

Nahezu alle Branchen haben bereits oder werden zukünftig damit zu tun haben.

Einige Beispiele: Autohersteller (Carsharing, eMobility), Taxi (Uber), Callcenter (Chatbot), Einzelhandel (Online-Shops), Banken (Kryptowährung), Versicherungen (Blockchain), Hotels (AirBnB).

Und auch das Handwerk bleibt nicht verschont (Robotik, CAD/CAM, KI). Bei jeder Disruption gibt es Gewinner und Verlierer. Es gilt sich frühzeitig damit zu befassen und eigene Wege zu finden.

Plattformgedanke im Dentalbereich

Auch in der Welt des Zahnersatzes gewinnt die Vernetzung an Stellenwert, insbesondere mit der Etablierung des Intraoralscanners. Mit dieser Vernetzung erhöht sich die Zahl der Marktteilnehmer. Auslandszahnersatz, Fertigungszentren, Industrie, MVZs treiben den Wandel ebenso an wie disruptive Angebote branchenfremder Anbieter (z. B. Aligner in der KFO, 3D-Druck ).

Oft werden Patienten zur direkten Zielgruppe des Marketings, um darüber den eigentlichen Kunden – den Zahnarzt – zu erreichen. Als eines der Hauptthemen des Plattformgedankens steht zukünftig die Customer Experience (CX), das Kundenerlebnis. Hier spielt u. a. die künstliche Intelligenz (KI) eine Rolle. Customer Experience werden zukünftig auch Dentallabore in ihr Unternehmensmodell einbeziehen müssen.

Der Kunde sollte digital an das Labor gebunden werden und dies bedeutet mehr als ein paar Facebook-Bildchen posten. Hier bieten digitale Mehrwerte und Plattformen gute Möglichkeiten.

Connect Dental – Weiterentwicklung intelligenter Vernetzung zwischen Praxis und Labor

Der digitale Workflow wird in vielen Indikationen Realität – vom Scan zur Restauration ohne aufwendige Zwischenschritte. Doch auch in der Zukunft scheint der persönliche Kontakt zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient gewünscht und angemessen.

Denn trotz Digitalisierung hängt die Kundenzufriedenheit in erster Linie vom persönlichen Umgang – im Fall des Zahntechnikers mit dem Zahnarzt und Patienten ab. Konzeptionen (z. B. ConnectDental) und damit die intelligente Vernetzung zwischen Praxis und Labor, kombiniert mit dem persönlichen Kontakt, können ein Zukunftsmodell sein.

Der Zahntechniker als Dienstleister und Berater unterstützt mit umfassender Kompetenz und Erfahrung bei Planung und Umsetzung der dentalen Rehabilitation.

Mit sinkenden Investitionen in Intraoralscanner werden sich immer mehr Zahnarztpraxen dieser Technologie verschreiben. Herausforderung für Dentallabore ist das Empfangen und Verarbeiten der verschiedenen Datenformate. Zahnärzte mit Intraoralscanner erwarten einen reibungslosen digitalen Workflow (Customer Experience).

Marc Fütterer, Spezialist und Produktmanager ConnectDental bei Henry Schein betont: „Dreh- und Angelpunkt für die Zukunftsfähigkeit eines Labors wird die Kompatibilität der Systeme sein, denn daran hängt sowohl der Workflow als auch die Wirtschaftlichkeit. Deshalb arbeiten wir bei Henry Schein mit einem übergreifend aufgestellten Spezialisten-Team, das die Anforderungen und Arbeitsprozesse von Laboren und Praxen kennt, und das entsprechend fundiert beraten kann.“

Zukunft der Dienstleistungen in der Zahntechnik

Etablierte Dentallabore haben sich ein stabiles Fundament aufgebaut, indem sie frühzeitig auf den Wandel reagiert haben und z. B. in die CAD/CAM-Fertigung eingestiegen sind. Den digitalen Vorsprung gegenüber den Zahnarztpraxen können Zahntechniker nun nutzen. Durch die Vernetzung bilden sich intelligente Prozessketten, bei denen das Dentallabor ein wichtiges Glied bleiben sollte.

Erneut sei auf disruptive Prozesse hingewiesen, bei denen andere Marktteilnehmer das Labor verdrängen könnten. Die Digitalisierung endet nicht beim 3D-Drucker und der Fräsmaschine; dies scheint erst der Anfang.

Zusätzlich zu den bisherigen Fähigkeiten des Zahntechnikers und seinem fundierten Know-how werden eine hohe digitale Kompetenz und der Dienstleistungsgedanke gefordert. Dies sollte bereits in die Ausbildung einfließen.

So hat der Zahntechniker auch in Zukunft einen großen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern: die Kombination aus Erfahrung, Leidenschaft, Kreativität, digitaler Kompetenz, Dienstleistungsgedanken, persönlichem Kontakt, Vor-Ort-Service und Flexibilität.

Augmented Reality in der Patientenkommunikation

Augmented Reality (AR) wird die Arbeit im Dentallabor bereichern. Schon heute gibt es interessante Beispiele für die Zahntechnik; auch hier geht es um Informations- und Datenaustausch. So kann beispielsweise mit Software-Anwendungen eine direkte virtuelle Überlagerung der CAD-Konstruktion mit den Aufnahmen des Patienten in Live-Bewegung erfolgen. Durch diese virtuelle Einprobe sehen Patienten das Ergebnis einer prothetischen Rehabilitation vor der eigentlichen Fertigung.

Kanapu, ein Start-up herausgelöst aus der technischen Universität Zürich, hat in Zusammenarbeit mit Disney Research eine Augmented Reality Engine entwickelt. Die intraorale Situation des Patienten wird gescannt; ein Tablet-PC dient als Augmented Reality-Spiegel. Danach entwirft die AR-Engine ein Zahnersatz-Design.

Der Patient sieht sich in Echtzeit mit neuem Zahnersatz. Anpassungen sind mit wenigen Klicks möglich. Das Unternehmen Ivoclar Vivadent hat das Potenzial der Technologie im Bereich der Zahnersatzfertigung erkannt und Kanapu mittlerweile gekauft.

Im Marketing könnte das Labor (oder auch andere Anbieter von Zahnersatz) zukünftig mit Augmented Reality-Apps punkten, beispielsweise bei der Information über Zahnersatzmöglichkeiten oder verschiedener Materialien.

Beispiel: Betrachtet der Patient das Modell eines gering bezahnten Kiefers durch sein Smartphone oder Tablet, werden die verschiedenen Möglichkeiten für seinen neuen Zahnersatz realistisch dargestellt. Mit dieser Technologie erweckt schon heute das Unternehmen Lego seine verpackten Bausätze für die Kinder in Shops oder im Katalog (QR-Codes) zum Leben. Auch Ikea arbeitet im Bereich der Produktinformation mit einer solchen Technologie.

Vielleicht erscheint es heute noch als Spielerei, doch auch Patienten und Zahnärzte verändern sich, stellen andere Ansprüche, sind von digitalen Tools verwöhnt und gehören zunehmend der Generation Digital Natives an.

„Weitergedacht: Eventuell können Datenbrillen die Arbeit im Dentallabor verändern, wobei diese Technologie derzeit noch in den Kinderschuhen steckt. Mit Datenbrillen verschmilzt die reale mit der digitalen Welt. Digitale Informationen werden auf die analoge Sicht eingespielt. So können vom Daten-Brillenträger beispielsweise Maschinen bedient werden, die ihm nicht vertraut sind. Ob Microsoft, Apple, Telekom oder Epson … viele große Unternehmen forschen an der Technologie. Herausforderungen sind die intelligente Sensorik, eine starke Rechenleistung, hochauflösende Bildschirme und ein möglichst geringes Gewicht. Auch hier wird die 5G-Technologie Fortschritte bringen. Vielleicht könnte in ferner Zukunft auf diesem Weg Zahnersatz hergestellt werden. Vielleicht wird irgendwann die Wartung der Fräsmaschine mit einer Datenbrille in Echtzeit als Fernwartung erfolgen oder selbst vom Zahntechniker vorgenommen.“

Fazit zur Zukunft der Vernetzung der Zahntechnik

Wie kann sich das Dentallabor auf Digitalisierung und Vernetzung sowie die daraus resultierenden Herausforderungen einstellen? Einige Punkte zusammengefasst:

1. Individualisierung von Produkten/Services in Kombination mit der Online-Kommunikation auf Plattformen ist ein Erfolgsschlüssel. Der persönliche Kontakt und die Leidenschaft für die Zahntechnik werden zum Wettbewerbsvorteil. Kurz gesagt: Menschlichkeit

2. Daten sind wertvoll. Labore sollten auf flexible Schnittstellen achten, um die verschiedenen Datenformate (Intraoralscanner) lesen zu können und sich zugleich unabhängig von einem einzelnen Unternehmen zu machen. Kurz gesagt: Unabhängigkeit

3. Zur Innovation gehören das Erfüllen von Kundenwünschen und das Lösen etwaiger Kundenprobleme. Das Dentallabor wird zum Dienstleister und ggf. Netzwerker, wenn andere Spezialisten in eine Problematik einbezogen werden müssen. Kurz gesagt: Kooperation

4. Dentallabore sollten gute Ideen schnell verwirklichen. Es gibt eine Vielzahl von Dienstleistern (oft branchenfremd), die darauf spezialisiert sind, Ideen innerhalb weniger Tage in konkrete Prototypen zu verwandeln. Kurz gesagt: Flexibilität

Die Veranstaltung „Digitaler Workflow: Wie geht’s? So geht’s!“ von Henry Schein gibt Hilfestellungen zur konkreten Planung der digitalen Prozesskette. Denn nicht alles technisch Mögliche ist in jedem Fall auch wirtschaftlich sinnvoll.

Im dritten und letzten Teil der Serie gehen wir auf den Protagonisten der Zukunft ein: Den Menschen.

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