Dentallabore in der Corona-Krise. Ein 12-Punkte-Programm

Das Dentallabor und Corona werden von der Öffentlichkeit nicht sofort in Verbindung gebracht. Doch die aktuelle Situation betrifft natürlich auch die Zahntechnik. Inhaber von Dentallaboren müssen angesichts der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie durch umsichtiges Handeln ihr Unternehmen sichern. Wir haben wichtige Handlungsoptionen für Laborinhaber in einem 12-Punkte-Programm zusammengefasst.

 

Wie können Dentallabore in Zeiten von Corona verantwortungsvoll agieren und welche Möglichkeiten gibt es, eine Existenzbedrohung vom Unternehmen fernzuhalten? Diese beiden Fragen stehen derzeit im Fokus vieler Laborinhaber.

Mit einem eindringlichen Brief an den Gesundheitsminister hat der VDZI (Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen) auf drohende Existenzverluste vieler Dentallabore hingewiesen. VDZI-Präsident Dominik Kruchen betont u. a. die gesellschaftliche Verantwortung des Zahntechnikers und setzt damit ein wichtiges Statement:

Zahntechniker stehen auch in dieser Krise an der Seite der Zahnärzte, um jederzeit die flächendeckende dentale Versorgung zu gewährleisten.“

Praxen und Labore können in Zeiten von Corona dieser Verantwortung gegenüber Patienten, Partnern und den eigenen Mitarbeitern nur nachkommen, wenn sie unternehmerisch und vorausschauend handeln. Wichtige Hinweise dazu bietet bereits unser Interview mit Michael Hage zur > Liquidität in der Corona-Krise: Möglichkeiten für Zahnarztpraxis und Labor.

Speziell für die Herausforderungen und Rahmenbedingungen von Laborinhabern haben wir einige genauere Maßnahmen im nachfolgenden „12-Punkte-Programm für Dentallabore“ zusammengefasst.

1. Wirtschaftliche Förderungen für Dentallabore

Von der Bundesregierung wurde ein Maßnahmenpaket für Unternehmen zur Abfederung wirtschaftlicher Schäden im Kontext der Corona-Krise verabschiedet. Ziel ist es, Kündigungen zu vermeiden und Unternehmen mit Liquidität auszustatten.

Stundung von Steuern und Sozialbeiträgen, Kurzarbeitergeld, KfW-Darlehen – der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat mögliche > Maßnahmen zur Liquiditätssicherung in einer Übersicht zusammengefasst.

Zudem interessant: Die Förderdatenbank des Bundes veröffentlicht auf einer speziellen Seite „Corona-Hilfe“ eine > Liste aktueller Förderangebote mit entsprechenden Informationen.

2. Stundung von Steuern während der Corona-Pandemie

Unternehmen können auf Antrag beim Finanzamt ihre Steuerzahlungen (z. B. Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer) stunden. So können beispielsweise Vorauszahlung von Ertragsteuern angepasst oder bei Steuerschulden die Vollstreckung verschoben werden.

Das Bundesfinanzministerium hat in einem > FAQ-Katalog alle bundesweiten steuerlichen Erleichterungen aufgrund der Corona-Krise zusammengestellt.

3. Hilfskredite als Maßnahme für Dentallabore in der Corona-Krise

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt mit speziellen Corona-Hilfskrediten. Für Dentallabore, die seit mindestens fünf Jahren bestehen, gibt es beispielsweise den KfW-Unternehmerkredit. Labore, die noch keine fünf Jahren bestehen, können auf den ERP-Gründerkredit (ERP = European Recovery Program) zugreifen.

Mittelständische und große Unternehmen könnten eine Konsortialfinanzierungen erhalten. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es Schnellkredite ohne Kreditrisikoprüfung für Dentallabore mit mehr als zehn Mitarbeitern.

Die KfW hat auf Ihre Website alle > KfW-Sonderprogramme aufgelistet.

4. Corona-Soforthilfen für Kleinstunternehmer und Solo-Selbstständige

„Einzelkämpfer“ nennen es die Zahntechniker. „Kleinstunternehmer“ nennt es die Wirtschaft. Ein-Personen-Labore gibt es deutschlandweit viele, auch kleinere Labore unter zehn Mitarbeiter sind weit verbreitet. Diese Unternehmen können über ein Sofortprogramm ihre Liquidität sichern. Ansprechpartner für das Programm sind die Landesregierungen des jeweiligen Bundeslandes (Wohnort).

Nähere Informationen zu der > CoronaSoforthilfe für Kleinstunternehmer gibt es auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

5. Schnelle Liquidität für Mittelständler

Mit dem KfW-Schnellkredit 2020 können mittelständische Dentallabore mit mehr als zehn Mitarbeitern zügig und ohne weitere Kreditrisikoprüfung ein Darlehen erhalten. Die Bank erhält eine Haftungsfreistellung in Höhe von 100 Prozent durch die KfW. Der Bund garantiert dafür. Der Zinssatz beträgt aktuell drei Prozent mit einer Laufzeit von zehn Jahren.

Mehr Informationen zum > KfW-Schnellkredit 2020 sind auf der Website der Kreditanstalt für Wiederaufbau aufgeführt.

6. Kurzarbeit im Dentallabor

Eine schwierige, aber für die meisten Labore unverzichtbare Entscheidung ist die der Kurzarbeit. Anspruch besteht, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Der Antrag auf Kurzarbeitergeld wird bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt.

Detaillierte Informationen sind in einem > Kurzarbeitergeld-Merkblatt für Unternehmer (Bundesagentur für Arbeit) zusammengefasst.

7. Insolvenzantragspflicht aussetzen

Jeder Laborinhaber wird alles daransetzen, eine Insolvenz seines Unternehmens zu vermeiden. Doch für den Fall, dass Liquiditätshilfen nicht rechtzeitig im Labor ankommen, gibt es eine sinnvolle Maßnahme: Die reguläre dreiwöchige Insolvenzantragspflicht kann bis zum 30. September 2020 ausgesetzt werden. So soll verhindert werden, dass Unternehmen nur deshalb einen Insolvenzantrag stellen müssen, weil Liquiditätshilfen nicht rechtzeitig ausgezahlt werden.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz informiert auf seiner > Website über das Aussetzen der Insolvenzvertragspflicht.

8. Finanzielle Hilfe für Unternehmensberatung

Wollen oder müssen kleine und mittlere Dentallabore (KMUs) aufgrund der aktuellen Situation professionelle Beratungsleistungen in Anspruch nehmen, fördert das Bundeswirtschaftsministerium dies bis zu einem Beratungswert von 4.000 Euro ohne Eigenanteil.

Die verbesserten Förderkonditionen gelten befristet bis Ende 2020. Weitere Informationen gibt das Bundesamt für Wirtschaft auf seiner > Seite zur Beratungsförderung .

9. Corona-Finanzierung: Das Geld-zurück-Darlehen

Wirtschaftliche Hilfe bietet auch Henry Schein Dental seinen Kunden. Wer in den vergangenen sechs Monaten Praxis- oder Labor-Equipment gekauft hat, kann einen Teil der Liquidität zurückerhalten. Rückwirkend schließen dazu die Unternehmer ein Darlehen bei Partnerbanken von Henry Schein ab und erhalten den Kaufpreis des jeweiligen Gerätes zurück und zahlen diesen in monatlichen Raten ab. Um den Kunden in den kommenden Monaten die Liquidität zu erhalten, sind die ersten sechs Monate des Darlehens zahlungsfrei. Die erste echte Rate wird somit erst im siebten Monat fällig.

Mehr Informationen zum gibt es auf der > Seite von Henry Schein zum Geld-zurück-Darlehen und per E-Mail unter financial.services@henryschein.de.

10. Organisatorische Maßnahmen im Dentallabor während der Corona-Pandemie

Maßnahmen der Organisation von Arbeitsabläufen sorgen am Arbeitsplatz für einen möglichst geringen Kontakt der Mitarbeiter zueinander. Der Alltag im Dentallabor sollte möglichst so organisiert sein, dass die Zahntechniker vor Ort ausreichend Abstand (1,5 bis 2 Meter) zu ihren Kollegen halten können.

Beispiele für den Infektionsschutz im Dentallabor :

  • veränderte Arbeitszeitregelungen: Kurzarbeit, Schichtarbeit, flexible Arbeitszeiten
  • Zahntechniker im Home-Office für bestimmte Tätigkeiten, z. B. CAD-Konstruktionen
  • freie Raumkapazitäten nutzbar machen
  • Pausenzeiten verschieben und variieren
  • Regelmäßiges Lüften der Arbeitsräume
  • Absprachen mit Zahnarzt und/oder Patient über Online-Kommunikationskanäle (z. B. Zoom, Skype)
  • Vorzüge der Abformung mittels Intraoralscanners mit dem Zahnarzt diskutieren (Datenversand anstelle Silikonabdruck)

Wenn es im Umfeld eines Unternehmens eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde, kann die zuständige Behörde eine Quarantäne verordnen oder das Unternehmen ganz schließen. Lesen Sie dazu unseren Beitrag > Was tun bei Schließung von Zahnarztpraxis oder Dentallabor?

11. Hygieneplan im Dentallabor in Zeiten von Corona

In der Regel erfolgt die Arbeit im Dentallabor auf Basis hoher hygienischer Vorgaben. Die Grundlagen haben wir im Artikel > Hygiene im Dentallabor zusammengefasst. In Zeiten von Corona müssen die Maßnahmen nochmals verschärft werden. Der Laborinhaber muss sich mit den aktuellen Anforderungen an die Hygiene im Labor auseinandersetzen, Maßnahmen festlegen und diese an die angestellten Zahntechniker kommunizieren, z. B. mit einem Corona-Hygieneplan.

Beispiele sind:

  • Reinigungsintervalle für Türklinken, Ablageflächen, gemeinsam genutzte Gegenstände und Maschinen
  • Desinfektionsspender am Laboreingang platzieren
  • für ausreichend Seife und Papier im Handtuchspender sorgen
  • Mundmasken zur Verfügung stellen
  • in ein Luftreinigungssystem zur Aufnahme von Bakterien und Viren investieren, z. B. in einen Viruskiller von Radic8

12. Die Gesundheit der Kunden und Mitarbeiter geht vor

Der Arbeitgeber trägt seinen Mitarbeitern gegenüber Verantwortung und steht der Gesellschaft in Verpflichtung. Hierzu gehört beispielsweise die Risikogruppe zu schützen. Gehören Mitarbeiter einer Risikogruppe an, sind erforderliche individuelle Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Zudem empfiehlt es sich mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zu kooperieren.

Der Unternehmer sollte seine gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen und die Pandemievorsorge (z. B. Betriebliche Pandemievorsorge)  sicherstellen, so dass im Falle erkannter Infektionen unverzüglich reagiert werden kann. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel >  Personalführung und Corona: Tipps für Praxis- und Laborinhaber.

Fazit: Dentallabore während der Corona-Pandemie

Inhaber von Dentallaboren sind als Unternehmer auch in Zeiten von Corona gefordert, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen, die Existenz ihres Labors zu sichern, Kündigungen zu vermeiden und Mitarbeiter zu schützen. Hier sind unternehmerische Entscheidungen gefragt. Dabei liegt der Fokus darauf, die Liquidität sicherzustellen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Zugleich geht es darum, die Versorgungssicherheit im Bereich des Zahnersatzes während der Corona-Krise deutschlandweit sicherzustellen. Dazu ist die Arbeit der Zahntechniker unverzichtbar. Läuft der Betrieb im Dentallabor weiter, sind verschiedene Auflagen und Besonderheiten zu beachten.

Informationen zu allgemeinen Präventionsmaßnahmen stellt die Berufsgenossenschaft (BG ETEM) zur Verfügung. Zudem kann bei der BG ETEM das spezielle „Aktionspaket Zahntechnik“ mit Informationen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz angefordert werden.

Übrigens: Zahnarztpraxen finden weiterführende Informationen im Beitrag > Corona-Krise: Wirtschaftliche Hilfe für die Zahnarztpraxis.

Wir gehen mit Ihren Daten vertrauensvoll um. Die von Ihnen angegebenen Daten werden ausschließlich zur Abwicklung Ihrer Anfrage verwendet. Hierfür kann es erforderlich sein, dass Daten an andere Unternehmen weitergegeben werden, die für uns im Auftrag tätig werden (z. B. Hostingdienste). Weiterhin nehmen wir diese Daten zur besseren Anfragenabwicklung in unsere interne Kundendatenbank auf. Weitere Informationen zum Datenschutz bei Henry Schein finden Sie unter www.henryschein-dental.de/datenschutz.