FErtigungstechnologie im Dentallabor

Make or buy in der digitalen Fertigung – welcher Labortyp sind Sie?

Glaubt man den Aussagen vieler Marketingbroschüren, wird die Zahntechnik in den kommenden Jahren einen grundlegenden Wandel erfahren – und das sei gar nicht schlimm, ganz im Gegenteil. Dieser grundlegende Wandel wird uns seit zwei Jahrzehnten prognostiziert. Und? Wir stecken mittendrin; es fühlt sich gut an. Längst sind viele einst manuelle Arbeitsprozesse digitalisiert.

„So schön es früher war, ist es früher nie gewesen“ – die Vorteile der CAD/CAM-Technologie haben mittlerweile auch größte Kritiker überzeugt. Viele Zahntechniker nutzen die Digitalisierung, ohne auf Bewährtes zu verzichten. Wie kann der sanfte Einstieg in die digitale Zukunft erfolgen?

Das digitale Labor – wo stehen wir heute?

Freiheit! Zahntechniker können frei entscheiden, welche Prozesse sie inhouse realisieren möchten und welche vielleicht doch delegiert werden. So unterschiedlich wie die Fertigungstechnologien, so verschieden sind die Möglichkeiten, digitale Techniken zu nutzen:

  • CAD/CAM-Schleifen oder -Fräsen mit einer Inhouse-Maschine (z. B. vhf von Henry Schein, inLab von Sirona)
  • Modelle im Fertigungszentrum drucken lassen (z. B. CAMLOG Fräszentrum; print@dreve von Dreve)
  • Bohrschablonen inhouse drucken (z. B. Form 3 von Formlabs)
  • Implantat-Suprastrukturen im spezialisierten Fräszentrum fräsen lassen (z. B. Atlantis von Dentsply Implants, Dedicam von Camlog, cara von Heraeus Kulzer)
  • Restaurationen pressen (z. B. mit LiSi Press von GC)
  • Voreingefärbte Zirkonoxid-Gerüste (z. B. Zirlux 16+) manuell verblenden (z. B. IPS e.max Ceram von Ivoclar Vivadent)
  • Schienen, Retainer und Liner (CA Digital)

Letztlich obliegt die Wahl der Fertigungstechnologie vielen Kriterien, z. B. Material, Kundenwunsch, Indikation und Ziel.

„Make or buy“ – welcher Labortyp sind Sie?

Grundsätzlich gibt es auf die Frage „Make or buy?“ keine allgemeingültige Antwort. Jedes Labor muss entsprechend einer Bedarfsanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnungen individuell handeln. Information und Wissen sind die Basis für eine klug gewählte Laborausrichtung. Hierfür stehen z. B. bei Henry Schein geschulte Berater zur Verfügung. Sie geben neutral und objektiv Auskunft und Rechenbeispiele. Zentrale oder dezentrale Produktion: Viele Labore gehen beide Wege – je nach Material und Indikation.

Inhouse-Produktion

Bei der dezentralen Produktion (inhouse, also im eigenen Labor) sind in die Kalkulation diverse Faktoren einzubeziehen. Zu den internen Produktionskosten gehören:

  • Investition Maschine, sinkende Liquidität
  • Abschreibung
  • Strom, Wasser und andere Nebenkosten
  • Zusatzinvestitionen (Kompressor, Absaugung)
  • Fräswerkzeuge, Spindel, Spanzange und andere Anschaffungen
  • Wartungs- und Stillstandszeiten
  • Lagerkosten Material
  • Rüstzeiten bei Materialwechsel
  • Verschleiß, Reparatur
  • Updates
  • Techniker-Stundenkosten/Arbeitszeit/Schulungen

Finanzierung und Maschinenauslastung müssen gut geplant sein. „Die Wertschöpfung soll im Labor bleiben“ klingt gut, ist aber nicht einfach umzusetzen. Denn es gilt zu bedenken, dass Gewinn immer Wertschöpfung abzüglich aller Kosten ist. Trotzdem: Viele Labore profiti­eren von der eigenen CAD/CAM-Maschine.

Outhouse-Produktion

Die zentrale Produktion (outhouse, also durch einen externen Dienstleister) ist ein Weg, der kleinen Laboren oft empfohlen wird. Die externen Dienstleister sind zu unterteilen erstens in Dentallabore, die als Fräszentrum agieren, und zweitens in industrielle Anbieter. Auch hier gilt es, unterschiedliche Faktoren zu beachten:

  • Stückpreis
  • Jährliche Lizenzgebühren
  • Gebühr je Produktionsgang (Dongle)
  • Versandgebühr
  • Produktionszeiten (zwischen Datenversand und Erhalt der Restauration)
  • Produktionstechnik
  • Materialauswahl
  • Datensicherheit
  • Qualität

Flexibilität durch offene Daten

Prinzipiell sind Freiheit, hohe Flexibilität und Schnelligkeit am besten durch offen konzipierte Geräte gegeben. So profitieren z. B. Zahntechniker unter der Henry-Schein-Dachmarke ConnectDental von einem intelligenten Prozess- und Datenmanagement. ConnectDental bündelt Angebote zur digitalen Vernetzung von Zahnarztpraxis und Dentallabor sowie die Integration von offenen CAD/CAM-Systemen und Hightech-Materialien. Unterschiedliche digitale Systemkomponenten werden zu einer offenen Lösung verbunden und ermöglichen einen effizienten Workflow – von der 3D-Diagnostik und der digitalen intraoralen Datenerfassung über die Implantatplanung, die Modellherstellung mittels 3D-Printer bis hin zu Design und Fertigung der Restauration per Schleif- und Fräsmaschinen. Angeboten wird ein lückenloses Portfolio aus Materialien, Geräten und Systemen mit verschiedenen Kapazitäten und individuellen Konzepten.

Offene Schnittstellen und viele Möglichkeiten

ConnectDental ist eine offene Komplettlösung und setzt sich aus vielen Einzelbereichen zusammen. Die Unabhängigkeit, mit der unterschiedliche Technologien kombiniert werden können, ist die besondere Stärke dieses Konzeptes. In der offenen Architektur können die intraoralen Daten (Mundscanner, Laborscanner) einfach in den zahntechnischen Arbeitsablauf integriert werden. Dabei ist es wichtig, auf Datenformate und Exportfähigkeit zu achten – entscheidend ist die Kompatibilität.

Egal, ob die Datenerfassung mit dem Intraoralscanner oder im Labor erfolgt, der Zahntechniker kann die Restauration auf seine bevorzugte Fertigungstechnologie umsetzen lassen. Auch hinsichtlich des Materials sind kaum Grenzen gesetzt. ConnectDental integriert das CAD/CAM-Materialspektrum führender Hersteller.

Annett Kieschnick, freie Fachjournalistin