Digitaler Workflow Zahnarzt Praxis Labor

Digitaler Workflow zwischen Labor und Zahnarztpraxis

Digitaler Workflow – schön und gut. Doch wie sieht die Realität in Dentallabor und Zahnarztpraxis aus? Datenerfassung, Datenaustausch, Datenverarbeitung, Datenschutz – viele Bausteine müssen harmonieren.

 

Der digitale Workflow in Verbindung der künstlichen Intelligenz ergibt für die Zukunft ein hohes Potenzial. Doch wie so oft bei Thema Digitalisierung steckt der Teufel im Detail. Die Kompatibilitäten der Systeme stellen Laborbesitzer und Zahnärzte immer wieder vor Herausforderungen. Dazu kommt: Während innerhalb des Labors bereits digitale Fertigungsabläufe dominieren, läuft es in den Zahnarztpraxen momentan noch relativ analog. Aber: Ohne Daten kein Prozess.

In diesem Artikel zum Digitalen Workflow finden Sie Antworten auf folgende Fragen:

  1. Was bedeutet „Digitaler Workflow“?
  2. Digitaler Workflow – Offenes oder geschlossenes System?
  3. Wie funktioniert der Datenaustausch im Digitalen Workflow?
  4. Was muss im Bezug auf Datenschutz beachtet werden?
  5. Wie funktioniert die Datenverarbeitung im Digitalen Workflow?
  6. Wie sieht die Zukunft des Digitalen Workflows aus?
  7. Wo finde ich bei offenen Fragen einen Ansprechpartner?

1. Was bedeutet „Digitaler Workflow“?

Unterschieden werden zwei Möglichkeiten des dentalen digitalen Workflows:

  1. Outoffice-Systeme
  2. Inoffice-Systeme

Bei einem Outoffice-System erfolgt nach der intraoralen Datenerfassung das Weiterverarbeiten im Dentallabor. Wird eine konventionelle Abformung genommen, muss zunächst ein physisches Modell erstellt und über den Laborscanner für die digitalen Schritte gescannt werden. Werden die Daten mit dem Intraoralscanner erfasst, können sie z. B. über eine Cloudlösung wie 3Shape Communicate oder Sirona Connect an das Labor übermittelt werden. Nach dem Download der Daten erstellt der Zahntechniker ein digitales Modell und basierend darauf die Restauration. Für das Herstellen der jeweiligen Restauration stehen CAD/CAM-Fräsmaschinen oder 3D-Drucker bereit.

Ein bekannter Anbieter für diesen Workflow ist 3Shape. Für die Datenerfassung stehen Intraoralscanner (3Shape TRIOS) oder Laborscanner (z. B. E4) zur Verfügung.

Beim Inoffice-System nicht nur die Datenerfassung sonder in der Regel auch das Herstellen der Restauration in der Zahnarztpraxis. Der präparierte Zahn bzw. die Mundsituation wird mit dem Intraoralscanner erfasst. Auf Basis der generierten Daten erfolgt die Konstruktion in der CAD-Software. Nach Berechnen der Fräsbahnen durch eine CAM-Software wird mit entsprechendem Praxis-Equipment die Restauration gefertigt. Eine ausführliche Darstellung finden Sie unter CAD/CAM in der Zahnarztpraxis.

Populäres Beispiel für den funktionierenden Inoffice-Workflow ist Cerec (Dentsply Sirona). Intraoralscanner (Datenerfassung), Software (Datenverarbeitung), Fräs- und Schleifeinheit (Datenumsetzung) und Materialien sind innerhalb eines Systems aufeinander abgestimmt.

Der komplette digitale Workflow zwischen Zahnarztpraxis und Labor im Video

Wir zeigen im Video,  wie die Prozesse bei Outoffice-Systemen in der Realität ablaufen und was das für die Zusammenarbeit von Praxis und Labor bedeutet. Zu Wort kommen sowohl eine Zahnärztin als auch einen Laborinhaber.

Zahnärztin Dr. Verena Freier gibt eine persönliche Einschätzung zum Einsatz von CEREC ab und erläutert in unserem Video, welche Vorteile sich für Ihre Praxis ergeben. Zahntechniker-Meister Hans Jürgen Lange vom Dental Labor Teuber beschreibt den Prozess aus seiner Sicht.

2. Digitaler Workflow – offenes oder geschlossenes System?

Ein offener Intraoralscanner generiert Daten, die von CAD-Programmen anderer Hersteller gelesen werden können. Flexibilität durch offene Daten bietet z. B. CEREC seit der IDS 2017. Mit einem STL-Export der Scandaten können Zahnärzte die Daten an das Labor ihrer Wahl senden. Auch andere Intraoralscanner sind im offenen Format erhältlich. Doch aufgepasst: Offen bedeutet nicht immer wirklich offen. Manche Hersteller kodieren die STL-Dateien, sodass sie nur für herstellereigene Softwarelösungen sicher anwendbar sind. Die Datensätze aus dem Intraoralscanner können zwar weitergegeben werden, doch Kompatibilitätsprobleme sind nicht immer auszuschließen.

Bei geschlossenen Systemen unterliegt der Anwender des Scanners einer Systembindung. Die einzelnen Schnittstellen sind aufeinander abgestimmt und die Arbeitsgänge harmonieren. In der Regel wird mit cloudbasierten Systemen gearbeitet. Das Dentallabor lädt den Datensatz herunter und importiert die Daten in seine CAD-Einheit. Beim CEREC-System heißt die zentrale Plattform für den Datenaustausch Sirona Connect Portal. Bei 3Shape ermöglicht die Anwendung 3Shape Communicate in Kombination mit der TRIOS Inbox, um über eine Cloud direkt Daten aus der entsprechend vernetzten Praxis zu erhalten. Auch Carestream arbeitet mit einer virtuellen Plattform: CS Connect.

3. Der Datenaustausch im digitalen Workflow

Agiert das Dentallabor als Partner beim Herstellen des Zahnersatzes, ist die Frage nach dem Austausch der Daten zu beantworten. Nach der digitalen Abformung und der Kontrolle können die Daten mit nur wenigen Mausklicks über SIRONA Connect oder TRIOS Inbox an das Partner-Labor übermittelt werden. Alternativ ist es möglich, die Daten als offene STL-Datei an das Labor senden.

Tutorial Datentransfer

Das Handling offener Datenformate ermöglicht die Weiterverarbeitung in verschiedenen CAD Softwareversionen unterschiedlicher Hersteller. ConnectDental definiert diese Prozesse und erfüllt alle Anforderungen hard- und software- sowie materialseitig.

 

4. Datenschutz im Rahmen des digitalen Workflows

Zu beachten sind beim Datenversand die rechtlichen Aspekte im Zusammenhang mit dem Datenschutz. Intraoral erfasste Patientendaten unterliegen als personenbezogener Gesundheitsdatensatz dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Das bringt besondere Pflichten mit sich, z. B. hinsichtlich der Verarbeitung und Weitergabe. Verantwortung! Die Privatsphäre des Patienten und die zweckgebundene Datenanwendung dürfen nicht verletzt werden. Wer von den Vorteilen eines Intraoralscanners profitieren möchte, muss sich mit Datenschutz auseinandersetzen. In erster Linie sollte das Scansystem den Anforderungen an die Rechtssicherheit und an die ärztliche Schweigepflicht Genüge tun. In einem Interview spricht ein Experte über dieses sensible Thema: https://henryschein-mag.de/datensicherheit-im-digitalen-workflow/

5. Datenverarbeitung innerhalb des digitalen Workflows

Das Verarbeiten der Daten im Labor oder in der Praxis bedarf einer CAD-Software, deren Funktion u. a. auch die Konstruktion des Zahnersatzes ermöglicht. Obwohl es unzählige CAD/CAM-Systeme gibt, obliegen aktuell die dentalen CAD-Anwendungen nur einer halben Handvoll Software-Plattformen. Die meisten Dentalfirmen nutzen diese Plattformen und passen sie in ihrer Benutzeroberfläche individuell an. Die bekannten Ausgangs-CAD-Softwares sind 3Shape Dental System, exocad und Cerec.

Die CAD-Konstruktionssoftware von 3Shape ist bekannt für ihre intuitive Benutzerführung. Aufgebaut auf den vertrauten Arbeitsabläufen werden eine breite Palette von Anwendungen unterstützt. 

Auch die CAD-Konstruktionssoftware Cerec wird stetig weiterentwickelt und bietet eine Vielzahl intelligenter Tools und smarter Möglichkeiten.

Übergabe CAM-Software

Nach der CAD-Konstruktion erfolgt die Übergabe an die Fertigungseinheit (CAD/CAM-Fräsmaschine, 3D-Drucker). Diese Ausgabegeräte werden von einer CAM-Software gesteuert. Zusätzlich zum Import der CAD-Konstruktion und dem Nesting erfüllt die CAM-Software eine Vielzahl weiterer Aufgaben, z. B. Projektverwaltung, Rohlingverwaltung, Werkzeugmanagement, NC-Programme erstellen, Frässtrategie festlegen etc. Der Anwender sollte Grundkenntnis über die CAM-Software haben, auch wenn bei vielen Maschinen wichtige Optionen bereits herstellerseitig vorgegeben sind. Mit dem Spezialistenwissen eines entsprechend geschulten Zahntechnikers können mittels CAM-Software die Fräsprozesse bzw. Frässtrategien optimiert werden.

Der letzte Schritt der Datenverarbeitung ist das Fräsen oder Drucken des jeweiligen Objektes. Und erneut ist es lohnenswert, sich mit den Grundlagen zu befassen. Grundlegendes Wissen um die Fertigungstechnologien ist in diesen beiden Artikel zusammengefasst.

 

Mit dem Fertigungsprozess endet die digitale Prozesskette. Weitere Ausarbeitungs- und Veredlungsmaßnahmen erfolgen in der Regel manuell.

6. Zukunft digitaler Workflow

Über den digitalen Workflow wird viel gesprochen und doch sind im Alltag noch Lücken erkennbar. Im nächsten Schritt werden sich die Intraoralscanner breitflächig etablieren; dies scheint nur eine Frage der Zeit. Die Prozesse werden weiter verfeinert – beruhend auf den Erfahrungen und Datensammlungen der vergangenen Jahre. Auch die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (KI) könnten den digitalen Workflow in Zukunft schrittweise weiter revolutionieren.

 

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