Wird 2017 das Jahr der digitalen Totalprothetik?

Hier ein Klick, da ein Klick, und fertig ist die gewünschte Prothese. Na ja, ganz so einfach ist es leider nicht. Aber der Blick auf aktuelle digitale Konzepte lohnt sich. Denn mit den neuen Ansätzen zur  digitalen Totalprothetik wird in Sachen digitaler Workflow der nächste große Schritt  gemacht. Derzeit gibt es keine fundierten Erfahrungen zur digitalen Totalprothetik, doch es ist eine relevante Thematik, deren Umsetzung es zu beobachten gilt.

Vier gute Gründe für die digitale Totalprothetik

Um den Reiz des digitalen Workflows in der Totalprothetik zu erkennen, ist der Vergleich zum konventionelle Weg aufschlussreich.

1.     Zeitaufwand

Im analogen Vorgehen ist das Herstellen einer Totalprothese zeitaufwendig und fehleranfällig. Es sind mehrere klinische Sitzungen notwendig (Abformung, Bissnahme, Einprobe, Eingliederung). Oft wird für Patienten gearbeitet, deren Mobilität eingeschränkt ist. Für diese Menschen bedeutet ein vereinfachter digitaler Workflow einen hohen Komfort.

2.     Kosten

Kennen wir alle: Die Diskussion, ob sich bei der fachgerechten Fertigung einer Totalprothese Kosten und Aufwand in der richtigen Relation bewegen. Insbesondere für einfache zahnlose prothetische Fälle wird der Wunsch nach finanzierbaren Lösungen laut. Mit digitalen Technologien können Kosten und Aufwand minimiert werden. Die Effizienz im Arbeitsalltag wird erhöht.

3.     Hohe Passung, Biokompatibilität und Reproduzierbarkeit

Die CAD/CAM-gefertigte Prothesenbasis hat eine perfekte Passung. Keine Polymerisationsschrumpfung! Kein Restmonomer! Sympathisch: Durch das Speichern des Prothesendesigns ist jederzeit eine schnelle Reproduktion möglich, z. B. für ein Prothesenduplikat oder eine Reiseprothese.

4.     Hohe Attraktivität

Totalprothetik ist ein stiefmütterlich behandeltes Thema. Junge Zahntechniker für diese Arbeit zu motivieren ist schwierig, auch aufgrund der niedrigen Vergütung über die GKV. Oft wird die Kunststoffabteilung durch andere Bereiche im Labor „subventioniert“. Dies kann sich mit der Digitalisierung ändern. Totalprothetik wird attraktiv, denn CAD/CAM macht Spaß, ist nicht so mühselig, sauberer und effizienter.

Verfahrensweisen der digitalen Vollprothetik

Es gibt ganz unterschiedliche Verfahrensweisen. Dank des Abdruckscans können konventionelle Arbeitsschritte mit digitalen Prozessen kombiniert werden. Die Ansätze der Hersteller unterscheiden sich in Details.

Differenziert werden kann wie folgt:

  • semidigital,
  • volldigital mit zweiteiliger Konstruktion,
  • volldigital mit einteiliger Konstruktion.

Momentan führt der Weg an der konventionellen Abformung nicht vorbei. Es ist aktuell nicht möglich, einen zahnlosen Kiefer digital zu erfassen. Die Datenerfassung erfolgt über das Scannen der Abformung oder des Modells. Außerdem werden bei fast allen Systemen konfektionierte Zähne mit der Basis verklebt. Hier fehlen die Langzeiterfahrungen hinsichtlich des Haftverbunds.

Ist nun 2017 das Jahr der digitalen Totalprothetik? Klar ist, immer mehr Zahntechniker denken um. Sie erkennen die Vorteile und denken über zusätzliche Indikationen nach (z. B. Interimsprothese, Zweitprothese). Es ist eine Tendenz in Richtung digitale Totalprothetik erkennbar. Aber trotz intelligenter digitaler Technologien gilt: Die bewährten zahntechnischen Grundlagen hinsichtlich Statik, Funktion und Ästhetik haben Bestand. Zahntechniker sind gefordert, neue Technologien kritisch zu begutachten.

(Annett Kieschnick, Freie Fachjournalistin)