Photothermische Therapie zum Biofimmanagement

Photothermische Therapie (PTT) zum Biofilmmanagement

Die Photothermische Therapie (PTT) mit einem dentalen Laser ist ein effektives und schonendes Verfahren im Rahmen des zahnmedizinischen Biofilmmanagements. Im Interview sprechen wir mit den Experten Birgit Schlee und Dr. Kresimir Simunovic.

 

Frau Schlee, als Dentalhygienikerin befassen Sie sich unter anderem mit dem dentalen Biofilmmanagement. Warum erachten Sie dieses Thema als so wichtig? 

Birgit Schlee nutzt die photodynamische Therapie (PDT) im Behandlungsalltag.
Birgit Schlee bei der Laser-Anwendung

Schlee: Kurz gesagt, weil das Biofilmmanagement der Schlüssel zu einer langzeitstabilen Mundhygiene ist. Seit mehr als 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Prophylaxe und dem Einsatz verschiedener Therapien bei der Behandlung von Gingivitis, Parodontitis und Periimplantitis. Zu beobachten ist, dass Patienten zunehmend für das Thema Mundgesundheit sensibilisiert und sich ganzkörperlicher Zusammenhänge bewusst sind.

Karies und Parodontitis sind biofilm-assoziierte Erkrankungen und können zu massiven Schäden des Zahnhalteapparats führen. Und nicht nur das, auch systemische Schäden für die Allgemeingesundheit können auftreten. Das erfolgreiche Biofilmmanagement erachte ich als wichtigen Grundstein für die gesamte Gesundheit des Patienten.

Was ist das Ziel eines effektiven Biofilmmanagements?

Schlee: Grundsätzlich ist die Prävention gingivaler Entzündungen bzw. deren Therapie die Basis einer ganzheitlich orientierten, zahnerhaltenden Zahnmedizin, die auch einer Parodontitis effektiv vorbeugt oder diese therapiert. Eine große Herausforderung ist die regelmäßige Entfernung des mikrobiellen Biofilms und mineralisierter Folgeerscheinungen.

Primäres Ziel ist es, das physiologische Gleichgewicht der Mundhöhle zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Hierfür sind die qualitative und quantitative Verschiebung der bakteriellen Besiedlung hin zu einer möglichst niedrigen pathogenen Keimzahl anzustreben.

Da das komplette Entfernen des Biofilms durch häusliche Maßnahmen aufgrund diverser Faktoren (z. B. Zahnengstände, Zahnmorphologie, Putztechniken, Hilfsmittel etc.) unmöglich scheint, sind ergänzend professionelle präventive Maßnahmen ratsam.

Welche Maßnahmen können das sein? 

Schlee: Bei modernen Behandlungsstrategien liegt der Schwerpunkt des Präventionsmanagements auf der Entfernung des Biofilms. Zudem steigt bei einer notwendigen Therapie die Nachfrage nach alternativen, wirkungsvollen Behandlungen ohne Neben- und Wechselwirkungen. Dem kann mit verschiedenen Maßnahmen  begegnet werden.

Neben der mechanischen Reinigung kommen Antibiotika zur Bekämpfung pathogener Keime infrage. Doch viele Patienten stehen der Einnahme von Antibiotika kritisch gegenüber und zeigen Interesse an alternativen Strategien.

Hierfür stehen verschiedene Möglichkeiten in der Prophylaxe wie auch in einem PAR-Konzept als adjuvante Begleittherapie zur Verfügung. Dazu gehören das maschinelle Biofilmmanagement mit Ultraschall oder Luft-Pulver-Wasserstrahl-Geräten ebenso wie die äußerst vielversprechenden und schonenden Maßnahmen im Rahmen einer lasergestützten Parodontitistherapie wie z.B. die EmunDo-Therapie.

Herr Dr. Simunovic, Sie sind Spezialist für Laserzahnmedizin. Welche Rolle spielt der Laser beim Biofilmmanagement?

Dr. Simunovic: Zunächst müssen wir uns vor Augen halten, worum es beim Biofilmmanagement geht. Biofilm bezeichnet die Zusammensetzung von Bakterien, die durch Co-Aggregationsmechanismen als Bakterienfamilien agieren und sich gegenseitig stabilisieren.

Beim Entstehen pathologischer Entzündungen nehmen Mikroorganismen eine wesentliche Rolle ein. Bei der Besiedelung lagern sich Bakterien an einer vorgebildeten Pellikelschicht an. Anschließend kommt es zur Vermehrung und in Folge zur Bildung von Biofilmschichten.

Bleiben präventive bzw. therapeutische Maßnahmen aus, etablieren sich parodontale Destruktionen. Wie von Frau Schlee angesprochen, gibt es verschiedene Therapiemaßnahmen.

Photothermische Therapie (PTT): Laser als Alternative zur Antibiotika-Gabe

In vielen Fällen ist der adjuvante systemische Einsatz von Antibiotika als Unterstützung der mechanischen Therapie sinnvoll. Allerdings wird von einer routinemäßigen Anwendung abgeraten.

Ein effektives und zugleich schonendes Verfahren ist die antimikrobielle Photothermische Therapie (PTT) – ein modernes Dentallaser-Verfahren. Durch den Laser werden gezielt betroffene Gewebestellen behandelt; auf die Einnahme von Antibiotika kann in vielen Fällen verzichtet werden.

 

 

Frau Schlee, im Bereich der Lasertherapie gibt es signifikante Unterschiede in der Verfahrenstechnik. Können Sie kurz einige Unterschiede aufzeigen?

Schlee: Unterschieden werden kann zwischen dem Einsatz von Lasern verschiedener Wellenlängen und der photothermischen und der photodynamischen Therapie (PTT und PDT), die Dr. Simunovic gerade angesprochen hat.

Beide Vorgehensweisen unterscheiden sich im Grundgedanken kaum voneinander. Ziel ist zunächst, die Zahnfleischtaschen zu reinigen, die Wurzeloberfläche zu glätten und die Bakterien zu entfernen und/oder abzutöten.

In der Laserzahnheilkunde gibt es eine Vielzahl verschiedener Wellenlängen – oft werden zwei oder mehr für die Dekontamination und das Biofilmmanagement eingesetzt. Diese Verfahren können in Deutschland ausschließlich durch ärztliche Anwender vorgenommen werden.

Hingegen kann die photothermische Therapie an entsprechend ausgebildete Mitarbeiter delegiert werden.

Herr Dr. Simunovic, erläutern Sie bitte kurz die Wirksamkeit dieser Therapieformen. Was konkret sind Vorteile?

Dr. Simunovic: Bei der PTT sich um eine wissenschaftlich anerkannte Therapieform und eine alternative parodontologische Behandlungsmethode, mit der wir den Biofilm besser kontrollieren und parodontale Läsionen effektiver behandeln können.

Biofilmmanagement per PTT

Ich mag nicht zu sehr in technische Details abgleiten, doch grundsätzlich gilt: Die Wirksamkeit beruht auf der Absorption von Licht durch verschiedene Farbstoffe. Es handelt sich um photochemische und/oder photothermische Reaktionen, die durch eine Kombination von Licht und lichtsensitiven Substanzen (Photosensitizern, Photosensibilisatoren) ausgelöst werden. Diese binden an die bakterielle Zellwand und werden mit geeigneter Wellenlänge aktiviert. Es entstehen freie Radikale, die wiederum eine toxische Wirkung auf die pathogenen Mikroorganismen haben oder eine örtliche erhöhte thermische Verstärkung, welche durch die entstandene Hitze die Bakterien selektiv abtötet.

Großer Vorteil der PDT und der PTT ist u. a., dass auch Mikroorganismen in schwer erreichbaren Arealen reduziert werden. Zudem gibt es keine Nebenwirkungen, was aus meiner Sicht der Hauptvorteil ist. In vielen Fällen kann auf die Gabe von Antibiotika verzichtet werden, wenn nicht aus systematischen Gründen verordnet, um die Belastungen für den Organismus zu reduzieren. Gleichzeitig kann dem Patienten eine hoch effektive Parodontitis-Therapie angeboten werden. Angewandt wird die PDT und die PTT für die Therapie von Parodontitis, Periimplantitis, und Läsionen der Mundschleimhaut.

In vielen Fällen kann auf die Gabe von Antibiotika verzichtet werden, um die Belastungen für den Organismus zu reduzieren. Gleichzeitig kann dem Patienten eine hoch effektive Parodontitistherapie angeboten werden.

- Dr. Kresimir Simunovic

Zu unterscheiden ist die PDT (Photodynamische Therapie) von der PTT (Photothermische Therapie). Die PDT basiert auf der Bindung photoaktivierbarer Substanzen und deren Aktivierung mit Licht geeigneter Wellenlänge (toxische Reaktion). Die PTT beruht auf der Verwendung von Laserlicht bestimmter Wellenlängen und der Bindung von photosensitiven Materialien (thermisches Eliminieren).

Herr Dr. Simunovic, beispielhaft für die Photothermische Therapie sei die EmunDo-Therapie genannt. Was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile der PTT?

Dr. Simunovic: Das IFG, also der Farbstoff,  ist für den Patienten allergenfrei und harmlos, ist Bakterienunspezifisch selektiv toxisch und in der Behandlung schmerzfrei. Die Patienten fühlen den Erfolg des Resultates schon in den folgenden Tagen subjektiv als sehr positiv mit.

Da EmunDo®-sehr flüssig ist, sickert es auch dank Kapillarität in jede mögliche, ansonst instrumentell gar nicht erreichbare Nische, markiert die Zielkeime und gewährleistet somit eine vollumfängliche Dekontamination des Zielareals, ohne das Nachbargewebe zu schädigen. Im Gegenteil, durch entsprechende Streustrahlung entsteht eher noch eine zusätzliche stimulierte Heilung des nicht mehr gut funktionierenden Gewebes der umliegenden Areale.

Vorteile der Photothermischen Therapie für Behandler und Patient

Die Handhabung ist bei entsprechender Ausbildung sehr sicher und einfach, das Resultat ist aber für beide, Behandler und Patienten, herausragend.

Frau Schlee: Ein großer Vorteil für Zahnarzt bzw. Praxis ist, dass die antimikrobielle photothermische Therapie an die geschulte Assistenz delegiert werden kann. Unter anderem speziell das EmunDo®-Verfahren zeichnet sich durch seine universellen Anwendungsbereiche in der PA-Vorbehandlung, der aktiven Taschentherapie sowie der PET/UPT aus.

Vielen Dank für das Interview! 

 

Beratung durch Laser-Spezialisten anfragen

 

Lesen Sie zur konkreten Anwendung der Photothermischen Therapie (PTT) im Praxisalltag auch unseren Beitrag > Parodontitis-Therapie: So leicht ist die Behandlung mit EmunDo und Laser.

 

Über die Interview-Partner

Birgit Schlee zum Biofilmmanagement
Birgit Schlee

Zur Person: Birgit Schlee

  • ausgebildete ZFA, ZMF und Dentalhygienikerin
  • seit 2001 Inhaberin von Schlee Dentalhygiene, Aufbau und Weiterentwicklung von Erwachsenenprophylaxe und PAR-Konzepten für Praxen mit verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkten
  • Qualifikationen: Praxistrainerin, Zahnärztliche Hypnose, Ernährungsberaterin, Laserschutzbeauftragte, Dentale Digitalfotografie, Peri-Implant-/Periodontology Master, EmunDo Photothermische Therapie, Qualitätsmanagement, Biologische Zahnheilkunde im Bereich Prophylaxe
  • Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für DentalhygienekerInnen (DGDH), Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro), Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VmF)

Dr. Kresimir Simunovic zum Biofilmmanagement
Dr. Kresimir Simunovic

Zur Person: Dr. Kresimir Simunovic

  • 1962 geboren in Rijeka, Kroatien
  • 1987 Schweizerisches Eidgenössisches Diplom an der zahnmedizinischen Hochschule der Universität Zürich
  • 1991 Doktor-Titel an der Universität Zürich mit der ersten Studie über den CO2 Laser und seiner Effekte an Schmelz, Dentin und verschiedene zahnärztliche Füllmaterialien bei Prof. Ivo Krejci an der Abteilung für restaurative Zahnheilkunde Zürich und Präsentation der Resultate am 2. Weltkongress für Laser Zahnmedizin 1991 in Paris;
  • 1991-1992 Assistenzzahnarzt an der Oralchirurgischen Poliklinik des zahnmedizinischen Zentrums der Universität Zürich, Verantwortlicher für Radiotherapie-Patienten und den klinischen Lasereinsatz der Photobiomodulation;
  • 1997 Eröffnung der eigenen Praxis und Trainingszentrum für Laser Zahnmedizin in Zürich;
  • 2010 Master bei Prof. Andreas Moritz an der Uni Wien;
  • Präsident der SGOLA (Schweizerische Gesellschaft für Orale Laserapplikationen)
    Internationales Mitglied der ALD (Academy of Laser Dentistry), LA&HA (Laser and Health Academy, Ljubljana)
    und der SOLA International (International Society of Oral Laser Application, Vienna);
  • Mitleiter und Referent der LA&HA Master Kurse für Laserzahnmedizin und Photobiomodulation;
    Gastreferent für die Laser Master Kurse an der zahnmedizinischen Universität in Wien bei Prof. Andreas Moritz und an der Università Cattolica in Rom bei Prof. Giovanni Olivi
  • Referent und Leiter für nationale und internationale Laserkurse und Workshops im Bereich der in der Zahnmedizin aktuell angewendeten Wellenlängen und der Photobiomodulation.
  • Autor mehrerer Publikationen und Co-Autor bei Büchern über Lasermedizin.
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