Intraoralscanner Dentallabor

Intraoralscanner im Dentallabor

Intraoralscanner verändern auch die Arbeitsprozesse im Dentallabor. Im Interview erläutert CAD/CAM-Spezialist Max Müller, wie Zahntechnikerinnen und Zahntechniker den digitalen Workflow gut gerüstet gestalten können.

 

Max Mueller CAD CAM Experte
Max Müller, Senior Manager im ConnectDental-Team von Henry Schein.

Sind Intraoralscanner „Game Changer“ in der digitalen Zahnmedizin?

Max Müller: Mit dem Intraoralscanner können sich traditionelle zahntechnische Abläufe verändern,  insofern sind sie auf jeden Fall ein Game Changer. In den vergangenen zehn Jahren hat sich im Bereich der Intraoralscanner sehr viel getan, z. B. hinsichtlich Indikationen und Scanner-Technologien.

Was bedeutet dieser Innovationsschub für das Dentallabor?

Die richtungsweisenden Innovationen im Bereich der Intraoralscanner bedeuten für das Dentallabor eine Weiterentwicklung, der Rechnung getragen werden sollte; dies betone ich absichtlich. Das Dentallabor kann sich diesem Thema nicht verschließen.

Oft ist es leider so, dass Dentallabore den technischen Entwicklungen hinterherlaufen und dies führt zu einer Situation, in der gehandelt werden muss; dem Labor wird dann eine Technik aufoktroyiert. Viel besser ist es doch, vorbereitet zu sein und flexibel zu agieren, anstatt irgendwann nur noch reagieren zu müssen.

Und wenn es um Innovationsschub geht, sind auch die Vorzüge über die zahntechnische Arbeit hinaus zu betrachten. Unsere Gesellschaft befindet sich im stetigen Wandel und Fortschritt, da spielen viele Aspekte eine Rolle. So fallen durch die Arbeit mit dem Intraoralscanner zum Beispiel Botenfahrten weg. Viele Labore fahren hunderte Kilometer am Tag. Können Fahrten eingespart werden, bringt dies ökologische Vorteile.

Es geht also letztlich nicht nur darum, Zahntechnik zu digitalisieren, sondern sich selbst und damit auch die Gesellschaft weiterzuentwickeln.

Kundenbindung durch abgestimmte Prozesse und fachliche Kompetenz

Provokant gefragt: Braucht man einen Intraoralscanner im Dentallabor?

Jein; das ist wirklich eine provokante Fragestellung, zugleich aber sehr interessant. Bei den aktuellen Workflows liegt es in der Hand der Zahnarztpraxis, die Datenerfassung im Mund vorzunehmen. Denken wir im aktuellen Horizont, braucht das Dentallabor keinen Scanner. Denken wir jedoch zukunftsorientiert, kann es von Vorteil sein, über einen Scanner zu verfügen und diesen beispielsweise dem Kunden – gegebenenfalls kostenpflichtig – zur Verfügung zu stellen.

Vorteil für das Dentallabor ist unter anderem, dass die digitalen Abläufe und Prozesse dann optimal miteinander harmonieren. Das ist auch eine Art Kundenbindung. Was auf jeden Fall immer gebraucht wird, ist die Expertise auf Seiten der Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern im Bereich Intraoralscanner.

Dentallabore sind CAD/CAM-affin. Reicht das für die Arbeit mit dem Intraoralscanner?

Rund um die CAD/CAM-Fertigung sind die meisten Dentallabore gut geschult. Betrachten wir aber den gesamten Workflow ab dem Intraoralscan, kommt es in erster Linie auf die digitale Infrastruktur und auf die Hard- und Softwarekomponenten an. Das Dentallabor muss sich fragen: bin ich in der Lage, intraorale Scandaten zu empfangen und entsprechend aufzubereiten? Hierbei geht es um Auftragsverwaltung, Verarbeitung der Daten, Datenschutz, und so weiter.

Hinzu kommt die Expertise. Ist angemessenes Wissen rund um die Anwendung des Scanners in der Praxis vorhanden? Besteht ausreichend Know-how, um auf Grundlage des Scans einen Zahnersatz zu erstellen? Offene Datenformate haben zur Folge, dass vieles möglich ist. Zugleich muss jedoch ausreichend technisches Verständnis vorhanden sein. Sowohl die Person, die Daten erhebt, als auch die Person, die Daten empfängt, müssen wissen, wie es funktioniert. Ansonsten kommt es unweigerlich zu Misserfolgen.

Kurz gesagt: „Nur“ das Wissen über den Inhouse-Workflow in der Fertigung ist zu wenig, um den kompletten digitalen Workflow abbilden zu können.

Cloud-Lösungen ermöglichen einen reibungslosen digitalen Workflow zwischen Praxis und Dentallabor

Und ganz konkret: Wie kommt der Datensatz in das Dentallabor?

Da gibt es unterschiedliche Prozessabläufe. Einige Hersteller bieten eine eigene, datenschutzkonforme Cloudlösung an. Hierüber werden die Daten in Form eines digitalen Auftrags übermittelt; nicht nur die Scandaten, sondern alle denkbaren Informationen wie Auftragsdetails, Fotos und Farbnahme können hinterlegt werden.

All diese Parameter gehören zur intraoralen Abformung und werden über die Cloud kommuniziert. Der Sendende, also die Zahnarztpraxis, hinterlegt die Daten und übermittelt diese an den Empfänger. Das Dentallabor erhält eine Nachricht, z. B. als Push-Nachricht oder E-Mail, hat sofort Zugriff und kann den Arbeitsauftrag in die CAD-Software importieren. Das ist ein komfortabler Weg. Die Plattform wird zum Kommunikationstool und dies macht die Zusammenarbeit sehr einfach.

In der Regel sind die Systeme herstellerspezifisch. Es gibt jedoch Datenempfangs-Software mit Schnittstellen zu Drittanbietern – CAD-Software -, die einen Export der empfangenen Scandaten in ein offenes Format, z. B. PLY und STL,  ermöglichen. Einen etwas unkomfortableren, aber gangbaren Weg bietet eine eigene Infrastruktur. Der STL-Datensatz wird beispielsweise über die laboreigene Cloud oder den Server gesandt. Zusätzlich müssen alle weiteren Informationen zum Auftrag von der Praxis in das Labor gelangen.

Eine solche Infrastruktur aufzubauen ist möglich, allerdings sind alle regulatorischen Voraussetzungen – wie die DSGVO – zu beachten. Ist der Arbeitsablauf einmal etabliert, kann dies gut funktionieren. Letztlich ist es wichtig, zusammen mit der Zahnarztpraxis einen Weg zu finden.

 

Wird das Labor in Sachen Intraoralscanner zum Berater der Zahnarztpraxis?

Ja, dass wäre aus meiner Sicht wichtig. Digitalisierung ist keine Einbahnstraße; es geht nur gemeinsam mit beiden Partnern. Wir begleiten Zahnarztpraxen und Dentallabore solange, bis der individuelle digitale Workflow geformt und definiert worden ist.

„Wer die Daten hat, hat den Auftrag“. Sehen Sie die Gefahr, dass Dentallabore ins Hintertreffen geraten?

Das würde ich nicht als Gefahr bezeichnen. Das Dentallabor hat immer schon Mitbewerber gehabt und sich mit seinem Können behaupten müssen. Das ist auch heute so und da sind wir wieder bei Frage zwei – agieren können, statt reagieren müssen. Es gibt sicherlich industrielle Anbieter, die der Zahnarztpraxis ein breites Leistungsspektrum im Bereich der digitalen Zahnmedizin bieten. Aber es ist letztlich die Entscheidung des Zahnarztes oder der Zahnärztin.

Zahntechnik ist viel mehr als digitale Daten verarbeiten oder Kronen glasieren, das wissen wir alle. Positioniert sich das Dentallabor so, dass es der Zahnarztpraxis mehr bietet als ein anderer Anbieter, ist es eine Chance. Was zählt: Es braucht entsprechende Expertise.

„Der STL-Datensatz liegt in der Dropbox.“ Thema Datensicherheit: Was gilt es, zu beachten?

Es bedarf grundsätzlich datenschutzkonformer Lösungen. Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass die Daten aus dem Intraoralscanner offen ersichtlich sind. Eine STL-Datei ist so aufgebaut, dass ein frei einsehbarer Datei-Header vorangeschaltet ist und dieser ausgelesen werden kann. Enthalten können hier beispielsweise patientenspezifische Daten sein. Zudem ist die STL-Datei „nur“ der Abdruck. Dazu müssen auftragsbezogene Daten übermittelt werden, wofür eine andere Lösung zu finden wäre. Wird also eine Universal-Cloud genutzt, ist darauf zu achten, dass die aktuellen Regularien und gesetzlichen Vorgaben wie die DGSVO erfüllt sind.

Wie können Zahntechnikerinnen und Zahntechniker ihr Wissen zu Intraoralscannern festigen? 

Hier gibt es verschiedene Wege, um sich Hintergrundwissen zum Intraoralscanner anzueignen und dies ist aus meiner Sicht auch unverzichtbar. Beispielsweise stellt die DGDOA (Deutsche Gesellschaft für digitale orale Abformung) gute Informationen bereit. Zudem gibt es Fachliteratur oder YouTube-Tutorials. Auch Webinare oder Seminare geben Einblicke.

Doch wir müssen uns auch über die Individualität im Klaren sein. Ein digitaler Workflow für die Praxis und das Labor ist individuell wie ein Fingerabdruck. Es gibt kein Patentrezept, sondern Lösungen, die spezifisch angepasst werden. Je mehr Wissen vorhanden ist, desto besser ist es. Es geht um Verstehen und Verständnis sowie um nachhaltige Lösungen.

Ich empfehle die Zusammenarbeit mit Experten. Das erspart viel Zeit und Ärger. Beispielsweise stehen wir von Henry Schein für eine Partnerschaft, die den Prozess der Digitalisierung individuell begleitet – und zwar solange, bis wirklich alles reibungslos funktioniert.

Wie kann das Dentallabor der schnellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung standhalten?

Das Angebot an Informationen ist groß. Ich persönlich finde Kongresse immer effektiv für die Wissensvermittlung. Zudem gibt es im E-Learning-Bereich viele Angebote. Auch der stetige Dialog mit dem digitalen Ansprechpartner ist wichtig. Wir bieten beispielsweise regelmäßig Stammtische an, bei denen über Perspektiven und Neuentwicklungen bei Konzepten, Software, Hardware und Materialien informiert wird.

Letztlich ist mein ganz konkreter Tipp zu dieser Frage: Nehmen Sie sich Zeit!

 

Mehr zum Thema finden Sie auch in unserem > Interview mit dem Dentallabor Pohl über die ungewöhnliche Investitionen in mehrere Intraoralscanner. 

 

Zur Person: Max Müller

Max Müller arbeitet seit 2004 als CAD/CAM Spezialist bei Henry Schein. Seit 2019 ist er als Senior Manager im ConnectDental Projektmanagement dafür zuständig, dass das offene Portfolio die technischen Anforderungen der Kunden und des Marktes erfüllt. Darüber hinaus sichert er den fachlichen Background seiner Kolleginnen und Kollegen.

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