3D-Drucker Form 2 von formlabs

Im Interview: 3D-Drucker im Dentallabor wirtschaftlich einsetzen

Im Interview beschreibt ZTM Lange, wie er seinen 3D-Drucker wirtschaftlich einsetzt und mit welcher eher ungewöhnlichen Indikation er eine unerwartet hohe Auslastung erzielt hat.

 

Im Dentallabor Teuber in Darmstadt wird seit 20 Jahren täglich digitale Zahntechnik praktiziert und mit handwerklichen Fertigkeiten kombiniert. Zugleich sind die Inhaber für neue Ansätze der digitalen Fertigung sehr aufgeschlossen.

Auch bei den dentalen 3D-Druckern hatte Mitinhaber Hans Jürgen Lange einige Geräte getestet und neben dem kompakten und kosteneffizienten 3D-Drucker Form 2 des Herstellers Formlabs inzwischen auch den Form3B in Betrieb.

Laborinhaber Lange beantwortet im Interview Fragen zu Indikationen, Workflow und Wirtschaftlichkeit.

Herr Lange, für welche Indikationen hatten Sie den 3D-Drucker eingeplant?

Zu Beginn haben wir den Form 2 ganz klassisch eingesetzt. Die Hauptindikation waren Modelle. Wir hatten das Problem, dass die 3D-Daten, die wir geliefert bekommen, immer ohne Modell sind. Normalerweise kein Thema, nur wenn Verblendkronen nötig sind, dann brauchen wir ein Modell. Und die Zulieferung von Modellen durch Drittanbieter hat zwei bis drei Tage Laufzeit, bei einigen Herstellern sogar noch länger.

Mit dem 3D-Drucker können wir das in-house machen und haben das Modell so am gleichen Tag vorliegen, um die Krone herzustellen. Das ist ein großer Mehrwert für uns. Als dann der Form 3B erschienen ist haben wir aufgrund der besseren Oberfläche und der guten Auslastung unseres ersten 3D-Druckers entschieden diesen auch in unseren Arbeitsalltag zu integrieren und arbeiten seither mit beiden Systemen sehr erfolgreich.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Einrichtung der Formlab-Drucker gemacht?

Die Installation lief ohne Schwierigkeiten. Wir hatten bereits den Form 2 über Henry Schein bezogen. Mit dem ConnectDental-Team von Henry Schein arbeiten wir schon seit Jahren eng und vertrauensvoll zusammen.

Henry Schein bietet zum Form 3B einen rundum-Sorglos-Service an, bei dem die Spezialisten die Ersteinrichtung und Einbindung des Gerätes komplett übernehmen und das Team auch einweisen. Grundsätzlich ist das Gerät auch auf der Website des Herstellers sehr gut erklärt. In Sachen Dokumentation und Anleitung ist die Firma Formlabs wirklich herausragend. Da ich bereits viel Erfahrung sowohl mit 3D-Druckern als auch mit dem digitalen Workflow habe, habe ich die Einrichtung selbst gemacht.

Welche Besonderheiten sehen Sie beim Form 2?

Zusätzlich zum eigentlichen Drucker nutzen wir das Wash and Cure-Set von Formlabs. Beide Geräte sorgen bei uns für mehr Sicherheit im Prozess und machen den Workflow mit  erst so richtig rund.

Ursprünglich musste man die Modelle per Hand waschen. Der Form Wash ist eine Art kleine Waschmaschine und ermöglicht eine zeitgesteuerte Reinigung, die alle Druckrückstände entfernt. Form Cure, die vom Hersteller angebotene Lichthärteeinheit, bringt dazu eine hohe Sicherheit bei der Endhärtung, da Lichthärtezeit, Temperatur und die Wellenlänge perfekt abgestimmt sind.

Im 3D-Druck hat man als Zahntechniker ja plötzlich einen Einfluss auf die Materialgüte, die man als Zahntechniker sonst nicht hat – mit den beiden Zusatzgeräten sind wir da auf der sicheren Seite. 3D-Druck in Praxis und Dentallabor

Formlabs hat für einen dentalen 3D-Drucker ja ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sorgt das automatisch auch für eine hohe Wirtschaftlichkeit?

Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem von der Auslastung ab. Modelle machen wir etwa drei Mal pro Woche. Eine weitere Indikation sind Schienen – sowohl Knirscher-Schienen, als auch in geringen Stückzahlen KFO-Schienen. Natürlich fertigen wir auch Bohrschablonen, die meist schon vom Behandler konstruiert werden.

Darüber hinaus machen wir Modellguss-Strukturen, das geht mit der hohen Druckgenauigkeit dieses Gerätes sehr gut. Dadurch fallen einige Arbeitsschritte weg, das ist effizient und auch wirtschaftlich schön darstellbar.

Eine wirkliche Auslastung des Geräts erreichen wir aber mit den genannten Indikationen nicht. Deshalb haben wir uns gefragt: Was kann man mit dem Drucker noch machen?

Der eigentliche Clou in der additiven Fertigung ist bei uns inzwischen eine Sache, die nicht zu den typischen Indikationen von 3D-Druckern gehört: Individuelle Abformlöffel. Heute machen wir die Löffeldrucke ständig, sie sorgen bei uns dafür, dass der Form 3B deutlich im rentablen Bereich läuft.

Warum gerade Abformlöffel? Welche Vorteile bietet der 3D-Druck hier?

Den Mehrwert der digitalen Fertigung haben wir bei den Löffeln zunächst gar nicht erkannt. Aber diese Löffel haben mehrere Vorteile: Sie sind von der Qualität und von der Haptik immer identisch. Bisher haben wir diese Spezialanfertigungen per Hand wie üblich aus lichthärtenden Platten gemacht. Dabei haben unterschiedliche Techniker auch unterschiedlich gearbeitet, mit abweichenden Material- und Randstärken.

Auch der Look der gedruckten Löffel ist einheitlich und hochwertig. Individuelle Löffel haben wir vorher schnell per Hand mit einem Filzstift beschriftet. Jetzt macht der Drucker eine sehr hochwertig wirkende Beschriftung. Praxisname und Patientenname geben wir in der Software mit ein, so entsteht keine Mehrarbeit und das Ergebnis sieht wirklich toll aus.

Der Durchbruch kam durch einen Test bei unseren Kunden. Nachdem die ersten Löffel gut angenommen wurden, habe ich eine kleine „Marktforschung“ durchgeführt, indem ich verschiedenen Kunden, die bisher nur die herkömmlich gefertigten individuellen Löffel kannten, einfach einen 3D-gedrucken Löffel gemacht habe. Die Reaktionen waren eindeutig: Ich habe von allen Kunden, die einen gedruckten Löffel erhalten hatten, spontan eine positive Rückmeldung bekommen. Den geringfügigen Mehrkosten bei der Herstellung steht also eine große Zufriedenheit bei den Behandlern gegenüber.

Aus dem sogenannten individuellen Löffel ist bei uns so tatsächlich ein individueller Löffel mit professioneller Beschriftung geworden, quasi ein eigenes Produkt mit Alleinstellungsmerkmal, das den Kunden einen deutlichen Mehrwert bietet.

Wie läuft die Fertigung der Löffel genau ab?

Die Konstruktion funktioniert in allen drei Softwaretypen, wir selbst machen das in der Sirona-Software. Das ist mit wenigen Klicks, auch mit Löchern für Implantate, ganz einfach umzusetzen. Ein Großteil der Modelle, auf denen wir die Löffel herstellen, haben wir bereits digital vorliegen. Der eigentliche Druck läuft nach Feierabend. Es passen etwa sechs bis sieben Löffel auf eine Bauplattform, in der Regel fertigen wir pro Nacht drei bis sieben Löffel. Nach spätestens zwölf Stunden ist der Drucker fertig.

Das ist die gesuchte Indikation, die wir mit dem 3D-Drucker in Masse produzieren können: Durch den Löffeldruck ist die Wirtschaftlichkeit des Geräts locker gegeben.

 

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