3D-Druck Corona

Schutz gegen Corona aus dem 3D-Drucker: So hilft die dentale Welt

Schutzausrüstung gegen den Corona-Virus aus dem 3D-Drucker? Angesichts der weltweiten Knappheit vieler Produkte gibt es eine Vielzahl von Initiativen, um per 3D-Drucker kurzfristig Hilfe zu leisten. Auch die Dentalbranche ist bereits aktiv, wie das Beispiel des Kieferorthopäden Dr. Philipp F. Gebhardt aus Berlin zeigt, der eine Gesichtsschild fertigt.

 

Schutz gegen Corona aus dem dentalen 3D-Drucker – für einige Zahnärzte und Dentallabore in Deutschland eine naheliegende Reaktion auf die Pandemie. Zu diesen 3D-Druck-Enthusiasten gehört auch Philipp Gebhardt, Inhaber der Kieferorthopädische Praxis BISS45 in Berlin. Ihm ging es zu Beginn der Corona-Krise wie vielen Zahnärzten: Seit Inkrafttreten der Infektionsschutzmaßnahmen Mitte März kamen wesentlich weniger Patienten in seine Praxis. Nachdem er den Praxisbetrieb reduzieren musste, überlegte er, ob er zumindest die Kapazitäten des 3D-Druckers in seinem Praxislabor anders nutzen kann.

Corona-Schutz aus dem 3D-drucker fertigt Dr. Philipp Gebhardt
Dr. Philipp Gebhardt

„Ich habe mir die Frage gestellt: Wie kann ich helfen? Auch wir haben ja erfahren müssen, dass viele Produkte zum Schutz von Menschen vor einer Infektion nicht mehr lieferbar sind, und in der Situation habe ich natürlich die Möglichkeiten des 3D-Drucks gesehen.“

Gebhardt ist Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für digitale Kieferorthopädie und in der 3D-Druck-Szene gut vernetzt. Er schaute sich verschiedene Druckmodelle, die bereits kursierten, genauer an – darunter Atemschutzmasken und Modelle für ein Gesichtsschild.

„Ich habe verschiedene Designs ausprobiert und mich dann für das Gesichtsschild bzw. Kopfschild entschieden, das mich am meisten überzeugt hat. Es ist ein Modell aus Schweden, die Druckdaten kann man sich frei herunterladen. Das Design ist funktional und es lässt sich effizient drucken. Und auch logistisch ist das Design super, weil die fertigen Modelle in DIN A4-Umschlägen verschickt werden können – und die haben wir eh da.“

Schnelle und effiziente Hilfe: DIY-Gesichtsschutz aus dem dentalen 3D-Drucker

Und so druckt die Praxis BISS45 mit dem 3D-Drucker einen DIY-Gesichtsschutz nach dem anderen und verschickt diese auf Anfrage gratis an Menschen, die nicht zu Hause bleiben können, sondern trotz Corona täglich wichtige Arbeit leisten – etwa in Zahnarztpraxen.

Die Druckdatei für das #3DVFaceShield wird vom schwedischen Unternehmen 3DVerkstan zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen schreibt dazu auf seiner Website:

„This is our first attempt to try helping our heroes helping people sick and in need. There is a shortage of protective gear for doctors and nurses, so we’ve designed a frame for holding standard sized plastic sheets. Quick to print, easy to assemble. We are so grateful for all the support and downloads we have had globally – and we will keep this going as long as we need to – here are the QUICK LINKS for printfiles and settings to make it easier if you already have a 3D-printer and would like to help too. The visor is tested and approved by staff all over the world but there are a lot of different regulations regarding medical supplies, please make sure to follow authority guidelines that applies within your region.“

Die Vorteile des Designs des 3DVFaceshield liegen laut Gebhardt neben dem flachen Design in einer guten Passform bei fast jedem Kopfumfang. Dabei ist kein zusätzliches Gummiband zur Befestigung nötig. Im Gegensatz zu anderen Modellen, bei denen das transparente Schutzschild erst zugeschnitten werden muss, wird hier einfach ein durchsichtiges A4-Blatt, zum Beispiel antibakterielle Laminierfolie oder Abdeckfolie mit einem handelsüblichen Locher gelocht und anschließend in der gedruckten Halterung befestigt.

Die offene STL-Datei kann auf der Homepage von 3DVerkstan unter dem folgenden Link heruntergeladen werden > https://3dverkstan.se/protective-visor/protective-visor-versions/

Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker wird auf Anfrage per Post verschickt

Die reinen Materialkosten für ein Kopfschild aus dem Drucker liegen laut Gebhardt bei einigen wenigen Euro. „Wir verschicken den Gesichtsschutz gratis. Die Ausfälle, die wir durch die Corona-Krise in der Praxis und im Praxislabor haben, die sind eh so groß, da machen die paar Euro für Material und Porto keinen Unterschied. Die Anfragen kommen per E-Mail. Dann versenden wir maximal zwei Stück,“ erläutert der Zahnarzt.

Bekannt macht der umtriebige Kieferorthopäde seine Eigenproduktion unter anderem auf seinem Instragram-Account:

BISS45 auf Instagram

„Wir produzieren weiterhin fleißig den RKI-konformen Gesichtsschutz aus biokompatiblem Druckmaterial mit unserem 3D Drucker.

Wir unterstützen euch sehr gerne in dieser herausfordernden Zeit und schicken euch bei Bedarf kostenlos 1-2 Masken pro Person. Meldet euch per Email bei uns — labor@biss45.de.

Wenn ihr auch einen 3D Drucker habt, unterstützt uns gerne in der Produktion der Masken. Meldet euch ebenfalls bei uns, dann lassen wir euch die Daten zukommen. Spread the message & spread love.“

 

 

Die Resonanz auf die Initiative ist groß. Die Produktionskapazitäten des Praxislabors sind aber begrenzt, auch wenn das Team zum Teil Nachtschichten ansetzt. Neben der Produktion hat Dr. Gebhardt deshalb sein Netzwerk aktiviert, um andere aus der Dentalbranche zum Mitmachen zu bewegen.

Auf Anfrage versendet er eine genau Anleitung an andere Zahnärzte und Labore, die ebenfalls in die Produktion einsteigen wollen: „Mein Ziel ist es, andere Kieferorthopäden oder auch Labore zu motivieren, ebenfalls ihre Drucker anzuschmeißen. Und es gibt viele, die diese Initiative bereits aufgegriffen haben, ebenfalls produzieren und mitgeholfen haben, die Druckdatei für bestimmte Geräte anzupassen.“

Die Dentalbranche hilft: Anti-Corona-Produkte aus dem 3D-Drucker

Bundesweit gibt es eine Reihe weiterer Initiativen, wie man seinen 3D-Drucker in Zeiten von Corona sinnvoll nutzen kann. Sehen Sie hier, welche Ideen es noch gibt:

  • Zahntechnikmeister Enrico Hautmann aus Bentwisch an der Ostsee druckt komplette Atemschutzmasken. Wie diese aussehen zeigt er in > diesem Youtube-Video.
  • Der 3D-Druckerhersteller Formlabs hat in den USA das Formlabs Support Network for COVID-19 Response ins Leben gerufen. Mit der Initiative möchte das Unternehmen helfen, Organisationen des Gesundheitswesens mit Formlabs-Nutzern zusammenzubringen, die freiwillig ihre Druckkapazitäten zur Verfügung stellen, um kritische Lieferkettenengpässe und andere Gesundheitsbedürfnisse zu beheben. Mehr unter > https://formlabs.com/covid-19-response/.
  • Ds Unternehmen BEGO stellt kostenlos 3D-Druck-Dateien auf der > BEGO Website zum Download bereit. Mit den STL-Daten können z. B. modulare Rahmen für Gesichtsschutz, Halterungen und Gehäuse für Atemmasken gedruckt werden. Darüber hinaus fertigt Bego auf Anfrage kostenlos Bauteile, die aufgrund der Corona-Pandemie von Krankenhäusern und weiteren medizinischen Einrichtungen dringend benötigt werden.
  • Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat seine 3D-Drucker auf Corona-Hilfen umgestellt. Hintergrund war eine Anfrage der Europäischen Kommission zur Unterstützung bei der Herstellung dringend benötigter medizinischer Geräte, bei der es konkret um die Herstellung von Schutzmasken und Ventilen für Beatmungsgeräte im 3D-Druckverfahren geht, heißt es in einer > Pressemitteilung des DLR.
  • Die Initiative #MakerVsVirus kommt ebenfalls nicht aus dem Dentalbereich, sondern aus der Maker-Szene. „Maker“ sind Anhänger einer Subkultur, die neue Dinge selbst herstellt oder existierende umbaut, und dabei häufig auch 3D-Drucker einsetzt.  Auf Ihrer > Website makervsvirus.org wollen die Initiatoren Menschen und Organisationen zusammen bringen, die dringend Ausrüstung oder Ersatzteile brauchen, und „Maker“, die diese produzieren können und dann kostenlos oder zum Selbstkostenpreis anbieten.